Die spanische Regierung plant eine umfassende Legalisierung für Hunderttausende von Einwanderern, die derzeit ohne Aufenthaltsgenehmigung im Land leben. Geschätzt sind es rund 840.000 Menschen, die von dieser Initiative betroffen sein könnten. Der Plan wurde am 27. Januar 2026 vorgestellt und zielt darauf ab, die Menschenrechte in den Mittelpunkt der Migrationspolitik zu stellen, wie die Ministerin für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration, Elma Saiz, erläuterte. Unterstützt wird dieser Schritt auch von aktivistischen Gruppen, darunter die Plattform „Regularización Ya!“, die über 700.000 Unterschriften gesammelt hat, um diesen Prozess voranzutreiben.
Die Legalisierung erfolgt unter bestimmten Voraussetzungen: Einwanderer müssen sich vor dem 31. Dezember 2025 mindestens fünf Monate in Spanien aufgehalten haben und dürfen seit 2020 keine Vorstrafen haben. Zudem müssen sie nachweisen, dass sie über ein Einkommen verfügen oder sich in einer schutzbedürftigen Lage befinden. Die Regierung schätzt, dass zwischen 500.000 und über 800.000 Antragsteller berechtigt sein könnten. Das Verfahren soll von April bis Ende Juni 2026 laufen.
Details zur Umsetzung der Legalisierung
Betroffene, die ihren Antrag einreichen, erhalten sofort eine vorläufige Arbeitserlaubnis. Diese ist branchenunabhängig und gültig in ganz Spanien. Nach einem Jahr kann diese vorläufige Erlaubnis in eine reguläre Aufenthaltsgenehmigung umgewandelt werden. Die Maßnahme wird per Dekret umgesetzt, nachdem eine Gesetzesinitiative im parlamentarischen Verfahren gescheitert war. Diese politische Entscheidung steht im Widerspruch zu den Migrationspolitiken anderer westlicher Länder, die oft auf Abschiebungen setzen.
Die Notwendigkeit dieser Legalisierung ergibt sich auch aus dem zunehmenden Arbeitskräftemangel in verschiedenen Sektoren wie Pflege, Bau und Gastronomie. Experten, darunter der Ökonom Raymundo Torres, haben betont, dass durch diesen Schritt kein „Pull-Effekt“ für neue Migranten zu erwarten sei, da die Regelung ausschließlich auf bereits im Land lebende Personen abzielt.
Kritik und Unterstützung
Während Gewerkschaften und zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft diese Initiative begrüßen, gibt es auch kritische Stimmen. Der Politologe Pablo Simón bezeichnet die Legalisierung als Zeichen für ein migrationspolitisches Versagen. Außerdem kündigte der Oppositionsführer der konservativen Volkspartei Alberto Nuñez Feijóo an, den Prozess im Falle eines Wahlsieges rückgängig zu machen. Die gesellschaftlichen Debatten in Spanien finden in einem Kontext statt, in dem etwa 9,8 Millionen ausländisch geborene Menschen, das sind etwa 20 % der Gesamtbevölkerung, leben.
Die Entscheidung der spanischen Regierung spiegelt also nicht nur die humanitären Entwicklungen wider, sondern erweist sich auch als notwendig, um den Druck auf das soziale und wirtschaftliche System zu verringern. Die überwiegende Mehrheit der irregulären Einwanderer kommt aus latein- und südamerikanischen Ländern, mit einer nennenswerten Zahl von 200.000 in Andalusien, die dort ohne gültige Papiere arbeiten.
Mit dieser Maßnahme strebt Spanien einen Kurswechsel in der Migrationspolitik an, der stärker auf Integration und Menschenrechte fokussiert. Dagegen stehen jedoch die Vorbehalte einer kritischen politischen Opposition und die Herausforderungen einer überalterten Gesellschaft im Land.
Für weitere Informationen und Einblicke in die spanische Migrationspolitik besuchen Sie die umfangreiche Berichterstattung von africa-live.de, tagesschau.de und srf.ch.