Heute ist der 25.02.2026, und in Bad Boll treffen sich Fachleute aus der Medizin, um über ein wegweisendes Projekt zu sprechen: CAROL, das für „Cardiac Arrest: Return to Optimal Life Status“ steht. Mit einer Förderung von rund sechs Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zielt dieses Projekt darauf ab, einen strukturierten Behandlungspfad für Patienten zu etablieren, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand überlebt haben. Das Besondere an diesem Projekt ist die umfassende Betreuung der Patienten, die von der stationären Behandlung bis zur ambulanten Nachsorge reicht.
Die Initiative ist aus den Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen hervorgegangen, die jährlich von der DGAI, BDA und dem Deutschen Reanimationsregister organisiert werden. Dieses Jahr fand das Treffen zum Thema „Außerklinische Reanimation“ als Online-Update statt. Unter der Konsortialführung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) wird CAROL in 15 spezialisierten Cardiac Arrest Centern in Deutschland umgesetzt.
Ein ganzheitlicher Ansatz für die Nachsorge
Ein zentrales Element des Projekts ist die Rolle der speziell qualifizierten Pflegefachpersonen, auch PRA-Nurses genannt. Diese Fachkräfte übernehmen die Koordination von Untersuchungen, Therapien, psychokardiologischen Screenings und sozialen Hilfsangeboten. Die Nachsorge beginnt bereits auf der Intensivstation und erstreckt sich über ein ganzes Jahr. Die Patienten, vor allem gesetzlich versicherte Personen im Alter von 18 bis 80 Jahren, profitieren von vier strukturierten Nachsorgeterminen, die neurokognitive Tests und Patientenschulungen umfassen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt von CAROL ist die genetische Diagnostik, die insbesondere für Patienten unter 50 Jahren relevant ist. Dies wird durch das Zentrum für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik der Goethe-Universität Frankfurt unterstützt. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und eine Versorgungslücke in Deutschland für umfassende Nachsorge zu schließen.
Die Wichtigkeit der Reanimation
Jährlich sind in Deutschland etwa 136.000 Menschen von einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand betroffen, wobei 70 Prozent dieser Fälle im häuslichen Umfeld auftreten. Oft sind es Familienangehörige, Passanten oder Arbeitskollegen, die als Zeugen zur Stelle sind. In vielen Fällen scheuen diese jedoch davor zurück, sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten, obwohl eine unverzüglich begonnene Herzdruckmassage die Überlebenschancen verdoppeln bis verdreifachen kann. Leider wird nur in 55,4 Prozent der Fälle eine Reanimation durch Laien gestartet, was bedeutet, dass jährlich 10.000 Menschenleben gerettet werden könnten, wenn mehr Menschen Vertrauen in ihre Fähigkeit zur Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen hätten.
Ein Blick in die Zukunft
Das CAROL-Projekt, das voraussichtlich im Herbst 2026 startet, wird von der Björn-Steiger-Stiftung mit jährlicher Förderung unterstützt. Der erste Kongress des Netzwerks ist für November 2026 geplant und wird der Forschung in der Reanimationsmedizin eine Plattform bieten. Es ist klar, dass die Reanimation nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, wie die ERC-Reanimationsleitlinien 2025 betonen. Durch die systematische Weiterentwicklung der Reanimationsversorgung und die Initiierung eines Forums für Reanimationsforschung wird angestrebt, die neuesten Erkenntnisse schneller in die klinische Praxis zu übertragen.
Für weitere Informationen zum Projekt CAROL und dessen Zielsetzungen besuchen Sie bitte die offizielle Webseite oder die Seite des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.