Der Plochinger Hafen steht vor einer ernsthaften Herausforderung: Ein drohender Bedeutungsverlust könnte nicht nur den Hafen selbst, sondern auch die gesamte Verkehrsinfrastruktur im Landkreis Esslingen erheblich beeinträchtigen. Esslingens Landrat Marcel Musolf und Plochingens Bürgermeister Frank Buß haben kürzlich in einem offenen Brief an die Bundesregierung ihre Besorgnis über die drastischen Kürzungen im Etat für Bundeswasserstraßen geäußert. Laut den aktuellen Plänen sind für das Jahr 2026 lediglich etwa 1,5 Milliarden Euro vorgesehen, was beinahe eine Milliarde Euro weniger ist als ursprünglich eingeplant, Esslinger Zeitung berichtet.
Die Bundesregierung hat den Etat für die Bundeswasserstraßen nicht nur für 2026 gekürzt, sondern auch in den nächsten Jahren sind weitere Einsparungen zu erwarten. Die Verkehrsinfrastruktur leidet bereits jetzt erheblich unter diesen Maßnahmen. Zusätzlich plant die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) eine pauschale Personaleinsparung von acht Prozent, was die Situation weiter verschärfen könnte. Musolf und Buß warnen folglich vor Betriebsausfällen sowie möglichen Sperrungen von Bauwerken und Wasserwegen, wie auf der Webseite des Landkreises Esslingen nachzulesen ist.
Kritik an den Mittelzuweisungen
Die Unterfinanzierung der Bundeswasserstraßen wird auch von Fachleuten stark kritisiert. Ein internes Dokument des Verkehrsministeriums zeigt, dass über die nächsten Jahre nur 7,3 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, während für eine adäquate Instandhaltung und Sanierung mindestens 10,1 Milliarden Euro notwendig wären. Dies betrifft insbesondere die maroden Schleusen und Wehranlagen, von denen viele in einem ungenügenden Zustand sind. Der ISW (Interessenverband für Schifffahrt und Wasserwirtschaft) hebt hervor, dass 137 von 319 Schleusen und 71 von 295 Wehranlagen nicht ausreichend gewartet werden, was die Funktionalität der Wasserwege gefährdet, berichtet Schifffahrt und Technik.
Ein Bedeutungsverlust des Plochinger Hafens könnte weitreichende Folgen haben. Der Hafen ist ein zentraler Logistik- und Umschlagsknoten im Landkreis Esslingen, und eine Verlagerung von Gütertransporten vom Wasser auf die Straße könnte schätzungsweise 100.000 zusätzliche Lkw-Fahrten pro Jahr zur Folge haben. Diese Erhöhung würde nicht nur die Straßen belasten, auch die jährlich steigenden Lärmemissionen und Umweltverschmutzung wären negative Konsequenzen dieser Entwicklung.
Forderungen nach Erhöhung des Etats
Zusammen mit dem offenen Brief an die Bundesregierung fordern Musolf und Buß eine Erhöhung des Etats für die Bundeswasserstraßen. Sie rufen die Bundestagsabgeordneten im Landkreis auf, sich für eine bessere Finanzierung einzusetzen. Trotz der begrenzten finanziellen Mittel muss nach Verabschiedung des Bundeshaushalts der unterjährige Haushaltsvollzug sicherstellen, dass die Wasserstraßen-Infrastruktur in der Region gesichert wird. Der Landkreis Esslingen, als verkehrliche Drehscheibe mit hoher Belastung, benötigt eine funktionierende Wasserweg-Verbindung, um Verkehrsträger gerecht zu behandeln und einen reibungslosen Gütertransport zu gewährleisten.
In Anbetracht dieser Herausforderungen ist eine langfristige, nachhaltige Finanzierungsstrategie für die Bundeswasserstraßen unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland nicht zu gefährden. Die Worte von Dr. Heike van Hoorn, die eine ausreichende Finanzierung und eine langfristige Vereinbarung fordert, sind ein eindringlicher Appell an die Verantwortlichen, die Bedeutung der Wasserstraßen nicht zu unterschätzen.