Die Neckartalbahn, die durch den Kreis Esslingen verläuft, hat erneut im Qualitätsranking des Landes enttäuschende Ergebnisse erzielt. Laut den aktuellen Bewertungen belegt die Strecke den 30. Platz von insgesamt 32 landesweiten Bahnstrecken. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 waren nur etwa 68 % der Züge pünktlich, was sie zu einer der unpünktlichsten Strecken in Deutschland macht, nur übertroffen von der Region Karlsruhe. Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, bezeichnete diese Unpünktlichkeit als „nicht akzeptabel“ und verlangte Verbesserungen für die Bahnfahrer, die unter den zahlreichen Verspätungen und der schlechten Infrastruktur zu leiden haben.

Obwohl es Bemühungen gab, die Blockabstände auf zwei Streckenabschnitten zu verkürzen, bleiben viele Engpässe bestehen und der Sanierungsbedarf ist enorm. Die Stellwerke sowie die Oberleitungen der Neckartalbahn sind störanfällig und müssen dringend ersetzt werden, um die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zu verbessern.

Bewertung der Servicequalität

Das Land bewertet die Bahnstrecken in mehreren Kategorien: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Zugkapazität, Sauberkeit und die Gesamtzufriedenheit der Fahrgäste. Im Punkt Sauberkeit hat die Neckartalbahn im aktuellen Ranking 86 Punkte erreicht, was sie im vorderen Drittel platziert. Allerdings zeigt sich ein negativer Trend, da die Sauberkeitswerte seit Jahren sinken. Zur Verdeutlichung: Die Bodenseegürtelbahn und die Freiburger Y Strecke liegen mit 79 Punkten auf dem letzten Platz, während die Schwäbische Albbahn mit 90 Punkten die höchste Bewertung erzielt – allerdings betreibt sie nur ein kleines Netz.

Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Bewertung der Bahnübergänge, die sich von 2,8 auf 4,9 verschlechtert hat; dies stellt die schlechteste Note in dieser Kategorie dar. Auch die Leit- und Sicherungstechnik hat sich verschlechtert, von 3,6 auf 4,1. Im Vergleich dazu hat die Deutsche Bahn leichte Verbesserungen bei den Gleisen und Oberleitungsanlagen festgestellt, mit einer Bewertung von 3,8 auf 3,5 und von 4,7 auf 4,6.

Zukünftige Maßnahmen und Verbesserungen

Um die Infrastruktur zu verbessern und die Pünktlichkeit zu steigern, wurde das Programm „SB² – Bauen im Takt“ im Jahr 2023 ins Leben gerufen. Ziel dieses Programms ist es, den Bahnbetrieb trotz starken Baubedarfs zu stabilisieren und Fahren sowie Bauen besser in Einklang zu bringen. Ab dem 15. Juli 2024 sind regelmäßige Instandhaltungsarbeiten im Vier-Wochen-Takt geplant, um die Qualität der Bahnstrecken langfristig zu sichern.

Die Deutsche Bahn plant, über 80 % der Instandhaltungsarbeiten taktkonform durchzuführen. Für das Jahr 2025 wird eine Erweiterung des Container-Takts auf acht Wochen angestrebt, was für Strecken mit guten Anlagenzuständen gelten soll. Zudem sollen Invest-Container für größere Bautätigkeiten und Sanierungen ab 2027 implementiert werden, um die Planungssicherheit und Stabilität im Bahnbetrieb zu erhöhen.

Das Qualitätsranking wird regelmäßig zweimal jährlich veröffentlicht und ist online einsehbar, was es Fahrgästen ermöglicht, sich über die aktuellen Bedingungen und Qualitäten im Bahnverkehr zu informieren. Trotz dieser Fortschritte fordert Matthias Gastel eine Grundsanierung der Bahnstrecken, um den Reisenden einen besseren Service zu bieten. In der Gesamtbetrachtung bleibt die Neckartalbahn jedoch eine Herausforderung für die Betreiber und das Land.