Die Deutsche Bahn sieht sich erneut heftiger Kritik vonseiten der Westbahn und der Bayerischen Regiobahn ausgesetzt. Thomas Posch von der Westbahn und Arnulf Schuchmann von der Bayerischen Regiobahn äußern Bedenken hinsichtlich des aktuellen Eisenbahnbetriebs in Bayern. Beide sprechen von einem „Hilfeschrei“, der auf die Missstände bei DB InfraGo hinweist. Schuchmann geht sogar so weit, den Zustand der Bahn als „Eisenbahn wie in der Steinzeit“ zu beschreiben und kritisiert das Zuständigkeits-Pingpong innerhalb des Unternehmens scharf. Ein zentrales Problem sei die unzureichende Kommunikation zwischen den Bereich Bayern und Baden-Württemberg, was zu einer Vielzahl von unvorhergesehenen Zugabsagen führe, beispielsweise in Ulm und Plochingen.

Wie merkur.de berichtet, stehen auch zahlreiche Baustellen an, die den Bahnverkehr weiter belasten. Ab dem 7. Februar beginnen Bauarbeiten im Allgäu und bei Schongau, die bis zum 31. Oktober zu Fahrplanänderungen bei den BRB-Verbindungen führen werden. Darüber hinaus wird zwischen Grafrath und Fürstenfeldbruck eine Langsamfahrstelle saniert, was zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h führt. Die Generalsanierung der Strecke Nürnberg-Passau wird ebenfalls ab dem 7. Februar anberaumt, mit Umleitungen für Güterzüge über München–Salzburg und München–Mühldorf.

Baustellen und deren Auswirkungen

Die angekündigten Bauarbeiten sind nicht die einzigen Maßnahmen, die den Bahnverkehr in der Region beeinträchtigen. Ab Juli wird die Strecke zwischen Weilheim und Schongau bis Oktober gesperrt. Zusätzliche Einschränkungen sind auch für die RB 54 München–Rosenheim zu erwarten; sie wird ab dem 14. Juni nur noch zweistündlich angeboten. Die Verantwortlichen Posch und Schuchmann zweifeln an der Notwendigkeit, all diese Gleissperrungen zeitgleich durchzuführen.

„Es gibt keine sinnvolle Erklärung für diese Vorgehensweise“, äußert sich Schuchmann. Er fordert zudem eine Änderungen der Dispositionsrichtlinie, um Verspätungen bei Regionalzügen zu reduzieren. Rückendeckung bekommt er von Norbert Moy, dem Vorsitzenden des Fahrgastverbands Pro Bahn, der das tägliche Chaos im Bahnverkehr anprangert und auf die unzureichenden Reaktionen der Politiker hinweist.

Eisenbahninfrastruktur im Überblick

Die bayerische Eisenbahninfrastruktur ist eigentlich glänzend: Bayern verfügt über ein Schienennetz von rund 6.500 Kilometern, das mehr als 1.000 Bahnhöfe und Haltepunkte umfasst. Das macht es zum umfangreichsten Schienennetz in Deutschland. Jährlich werden im Schienenpersonennahverkehr mehr als 128 Millionen Zugkilometer zurückgelegt, was dem Äquivalent von acht Erdumrundungen pro Tag entspricht. Solche Zahlen sind ein Beleg für die bedeutende Rolle des Schienenverkehrs, sowohl für die umweltschonende Personenbeförderung als auch für den Gütertransport.

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ist aktiv involved in der Optimierung und Modernisierung des Schienennetzes, um nachhaltigere Mobilität zu fördern. Es werden verschiedene Initiativen ergriffen, um den Schienenverkehrsanteil an der Verkehrsleistung zu erhöhen, und die „Fachkräfteoffensive Bahn Bayern“ zielt darauf ab, den Fachkräftebedarf im Bahnsektor zu decken.

Die Herausforderungen, die sich den Verantwortlichen stellen, zeigen einmal mehr, dass trotz der positiven Rahmenbedingungen und der ehrgeizigen Pläne viel zu tun bleibt, um die Infrastruktur und den Betrieb an den modernen Anforderungen auszurichten. Die anhaltende Kritik der Verkehrsunternehmen an DB InfraGo deutet darauf hin, dass die akuten Probleme im Betriebsablauf und in der Kommunikation nicht leicht zu beheben sind.