Der BBC-Nahostredakteur Raffi Berg hat eine Verleumdungsklage gegen den Journalisten Owen Jones eingereicht. Dies geschah im Zusammenhang mit einem Artikel, den Jones im Dezember 2024 für Drop Site News veröffentlicht hat, mit dem Titel „The BBC’s Civil War Over Gaza“. In diesem Bericht beschuldigen 13 aktuelle und ehemalige BBC-Journalisten das Management der BBC, insbesondere Berg, der systematischen Verzerrung der Berichterstattung über die Aktionen Israels in Gaza und der Vernichtung palästinensischer Leidensgeschichten. Ein ehemaliger Mitarbeiter äußerte, dass Berg darauf ausgerichtet sei, kritische Berichterstattung über Israel zu entschärfen.
Die Anschuldigungen gegen Berg beinhalten, dass er regelmäßig Überschriften und Texte umschrieb, um israelische Militärnarrative zu betonen und die Menschlichkeit der Palästinenser zu minimieren. Berg klagt auf Schadensersatz und behauptet, dass der Artikel seinen Ruf geschädigt habe und ihm Angst, Demütigung, Verärgerung und Stress verursacht habe. Sein Anwalt, John Stables, berichtete von „Hass, Einschüchterung und Bedrohungen“, einschließlich Todesdrohungen, die nach der Veröffentlichung des Artikels eintrafen. Diese Situation führte zu Protesten vor den Büros der BBC und zu einer Petition, die Bergs Suspendierung forderte.
Der Kontext der Vorwürfe
Raffi Berg ist seit 2001 bei der BBC tätig und leitet seit über einem Jahrzehnt die Online-Berichterstattung über den Nahen Osten. Die BBC sieht sich seit Jahrzehnten Vorwürfen der anti-palästinensischen Voreingenommenheit ausgesetzt. Über hundert aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der BBC haben das Unternehmen beschuldigt, israelische Perspektiven zu bevorzugen und palästinensische Todesfälle zu verharmlosen. Viele Journalisten berichten von einer Kultur der Angst und Selbstzensur, um Beschwerden von pro-israelischen Lobbygruppen zu vermeiden.
Owen Jones ist ein prominenter pro-palästinensischer Journalist und Aktivist, der Israels Apartheid und Siedlungsexpansion kritisiert. In seinem Dokumentarfilm „Owen Jones Goes to Palestine“ aus dem Jahr 2023 dokumentiert er das Leben unter Besatzung und hebt die täglichen israelischen Militärraids sowie die wirtschaftlichen Einschränkungen im Westjordanland hervor. Jones argumentiert, dass die derzeitige israelische Politik einem Akt der ethnischen Säuberung gleichkommt und dass globaler Druck notwendig ist, um die Besatzung unhaltbar zu machen.
Die rechtlichen Dimensionen der Klage
Die Verleumdungsklage von Berg steht im Kontext der Definition von Verleumdung, die als eine verleumderische Aussage oder Darstellung, insbesondere in schriftlicher oder gedruckter Form, anerkannt wird. Verleumdung betrifft Aussagen, die mit Wissen um ihre Falschheit oder mit rücksichtsloser Missachtung der Wahrheit veröffentlicht worden sind und den Ruf einer öffentlichen Person schädigen oder sie der öffentlichen Verachtung aussetzen. Eine der Herausforderungen für Berg wird es sein, im Gericht nachzuweisen, dass Jones‘ Aussagen nicht nur erfunden oder wesentlich verändert waren, sondern auch seinen Ruf erheblich beschädigt haben.
Jones hat die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, dass er sich freue, seine Berichterstattung vor Gericht zu verteidigen. Die bevorstehenden rechtlichen Schritte könnten sowohl für ihn als auch für die BBC weitreichende Konsequenzen haben, insbesondere in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung der Berichterstattung über den Nahen Osten.