Die evangelische Kirchengemeinde in Ljubljana hat anlässlich der seit 2010 bestehenden Partnerschaft mit der Gemeinde Wolfschlugen einen besonderen Grund zur Freude. Am letzten Januar-Wochenende wurde der neue Pfarrer Aleksander Ernisa in sein Amt eingesetzt. Die Delegation aus Wolfschlugen, die aus sieben Personen bestand, war anwesend und erlebte einen spirituellen Gottesdienst, der überwiegend in slowenischer Sprache gefeiert wurde. Die Predigt wurde in deutscher Sprache gehalten, um den deutschen Gästen gerecht zu werden.
In seiner Ansprache thematisierte Ernisa den Dialog in Ljubljana, wo zahlreiche Vertreter anderer Konfessionen und Religionen als Gäste anwesend waren. Wichtig in seiner Botschaft war es ihm, Gemeinschaft, Zuhören und das gemeinsame Suchen zu betonen. Grußworte überbrachte unter anderem der katholische Erzbischof von Ljubljana, Stanislav Zore, sowie Vertreter muslimischer und jüdischer Gemeinschaften. Ein herzlicher Austausch fand auch bei der Übergabe von Geschenken statt; Dieter Schenk, Sprecher des Partnerkreises aus Wolfschlugen, überreichte schwäbische Wibele, Bier und Puzzle an die Anwesenden.
Historische Verbindung zur Reformation
Die langsame Entstehung der evangelischen Kirche in Slowenien hat tiefgreifende historische Wurzeln, die bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen. Wie das Gustav Adolf Werk berichtet, schlossen sich viele slowenische Gemeinden damals dem reformatorischen Glauben an. Primož Trubar, der bekannteste Reformator Sloweniens, spielte dabei eine zentrale Rolle. 1550 ließ er in Tübingen die ersten slowenischen Bücher drucken, darunter den Catechismus und das Abecedarium. Dies war das erste Mal, dass die slowenische Sprache in einem gedruckten Werk abgebildet wurde.
Trubars umfangreiche Werke umfassten 56 Veröffentlichungen, darunter 25 von ihm selbst, und führten zur Etablierung der slowenischen Schriftsprache. Interessanterweise wurde die Reformation nicht nur zu einem religiösen, sondern auch zu einem kulturellen Phänomen, das eine neue Identität für die slowenische Bevölkerung mit sich brachte. Trotz der Gegenreformation, die dem Protestantismus in Slowenien ein jähes Ende bereitete, konnten sich die evangelischen Glaubensgemeinschaften in bestimmten Regionen, wie dem nordöstlichen Teil des Landes, behaupten. Heute leben etwa 20.000 Protestanten vor allem in der Region Prekmurje.
Das Erbe der Reformation
Im Kontext dieser historischen Entwicklung ist Ljubljana heute ein bedeutsames Zentrum des slowenischen Protestantismus. Hier wurde nicht nur die erste Mittelschule gegründet, sondern auch die allererste evangelische Kirche, die noch heute als Evangelische Kirche Primož Trubar bekannt ist. Diese Kirche dient nicht nur als Ort des Gottesdienstes, sondern ist auch ein Symbol der langen Geschichte der protestantischen Bewegung in Slowenien. Der Park der Slowenischen Reformation erinnert an die Wurzeln und den Einfluss der Reformation in der Region.
Diese reichhaltige kulturelle und religiöse Geschichte wird von den evangelischen Kirchen in Slowenien lebendig gehalten, insbesondere durch engagierte Initiativen. Die Evangelische Kirche A.B. in Slowenien hat nicht nur ein aktives Gemeindeleben mit Gottesdiensten, sondern auch mit Jugend- und Frauenarbeit sowie diakonischen Projekten. Ein Beispiel dafür ist das Seminar, das regelmäßig Frauen aus Slowenien, Kroatien und Serbien zusammenbringt, wie das Gustav Adolf Werk erwähnt.
Inmitten dieser lebhaften Gemeinschaft hat der Reformationstag in Slowenien sogar den Status eines Staatsfeiertages erlangt, was die tiefgreifende Verankerung des evangelischen Glaubens in der slowenischen Gesellschaft unterstreicht.