In der Städtischen Galerie Ostfildern wird zurzeit die beeindruckende Ausstellung „VUCA World“ gezeigt, die noch bis zum 7. April 2026 zu besichtigen ist. Diese Doppel-Ausstellung vereint die Arbeiten des ukrainischen Dokumentarfotografen Maxim Dondyuk, der derzeit in Paris lebt, und des Ludwigshafener Fotografen Rainer Zerback. Beide Künstler beleuchten die ambivalente Beziehung zwischen Mensch und Landschaft, wobei Dondyuk besonders die vom Krieg betroffene Ukraine ins Visier nimmt.
Das Akronym „VUCA“ steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit, und spiegelt den gegenwärtigen Zustand der Welt wider. Dondyuks Werk umfasst zwei Serien, die eindrucksvoll die Zerstörungen im Osten und Süden der Ukraine darstellen. In der Serie „Between Life and Death“ zeigt er Bilder, die die frostigen, kriegsverletzten Landschaften des Donbas einfangen. Die zweite Serie „White Series“ thematisiert den geschundenen Süden der Ukraine, wobei die Schönheit und Grausamkeit der Landschaft in ästhetische Spannungen treten.
Dondyuks eindringliche Bilder
Die Fotografien von Dondyuk offenbaren zerstörte Gebäude, geknickte Bäume und menschenleere Winterlandschaften. Sie ziehen den Betrachter in einen emotionalen Strudel und drücken persönliche Empfindungen zur Zerstörung durch eine berührende visuelle Ästhetik aus. Kunsthistorikerin Katrin Burtschell beschreibt die Werke als „verletzte Landschaft, als Synonym für eine verletzte Seele“, was die Dringlichkeit der politischen und sozialen Fragen widerspiegelt, die in Dondyuks Arbeit angesprochen werden.
Zerback hingegen geht mit seiner Serie „Places of Interest“ einen anderen Weg. Seine Fotografien zeigen berühmte Touristenziele wie das Brandenburger Tor und die Niagara-Fälle aus der Vogelperspektive. In diesen Bildkompositionen, die aus hunderten Einzelaufnahmen bestehen, vereinen sich die Massen des Tourismus und die Leere der Orte, was die Koexistenz von Menschen und Landschaften visualisiert, die nicht interagieren.
Spuren der Abwesenheit
In seiner weiteren Serie „Contemplationes“ behandelt Zerback die Abwesenheit des Menschen. Nur leere Landschaften, durch die Spuren des Menschen geprägt, sind zu sehen. Diese Arbeiten thematisieren eine Vorstellung einer „World Without Us“, einer postapokalyptischen Realität, in der die Menschheit möglicherweise ausgelöscht ist. Die gezeigten Landschaften strahlen sowohl eine verstörende Schönheit als auch eine Harmonie aus, die den Betrachter zum Nachdenken anregen.
Die Galerieleiterin Holle Nann wählte insgesamt 16 Arbeiten aus, um dem Publikum Raum für eigene Empfindungen zu bieten. Die vielfältigen Emotionen und Themen der Ausstellung reflektieren die gegenwärtigen Herausforderungen und verleihen der Schau eine besondere Tiefe. Interessierte können zudem am 29. März 2026 um 16 Uhr an einem Künstlergespräch mit Rainer Zerback teilnehmen und mehr über seine Intentionen und Techniken erfahren.
Für Kunstliebhaber ist die Ausstellung „VUCA World“ eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Krieg und Tourismus auf unsere Welt und die Natur. Sie regt zum Nachdenken an und lädt dazu ein, das Zusammenspiel von Mensch und Landschaft in einem neuen Licht zu betrachten. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Webseite der Galerie Ostfildern sowie auf Kunstportal BW.
Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass sie nicht nur die Realität des Krieges in der Ukraine ins Bewusstsein ruft, sondern auch die stilistischen Ansätze der beiden Fotografen in den Mittelpunkt stellt. Dondyuks emotional gefärbte Darstellungen und Zerbacks analytische Perspektive bieten einen umfassenden Blick auf unser heutiges Verständnis von Raum und Zeit, das durch Konflikte und menschliche Präsenz geprägt ist.