In einem angespannten wirtschaftlichen Klima kämpft die Firma Pilz in Ostfildern darum, ihre Stammbelegschaft zu halten. Die Geschäftsführung, angeführt von Susanne Kunschert und ihrem Bruder Thomas Pilz, erkennt die Herausforderungen an, vor denen das Unternehmen steht. Der Umsatz des Unternehmens sank im Jahr 2024 um alarmierende 21 Prozent, was die Sorgen um die Zukunft verstärkt. Kunschert äußerte sich besorgt zu den negativen Zahlen und betonte die Notwendigkeit, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv zu unterstützen. Pilz ist auf sichere Automatisierung spezialisiert und hat sich in der Branche einen Namen gemacht.

Die Probleme sind jedoch nicht auf Pilz allein beschränkt. EY berichtet, dass der Umsatz deutscher Industrieunternehmen von Januar bis September 2024 um 4,2 % im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Besonders stark betroffen ist die Elektrotechnikbranche mit einem Rückgang von 9 %. Auch der Automobilsektor und der Maschinenbau verzeichnen signifikante Rückgänge von 4,4 % bzw. 4,1 %. Dies markiert das fünfte Quartal in Folge mit einer negativen Umsatzentwicklung für die deutsche Industrie, was zu einem Beschäftigungsrückgang von 0,9 % im dritten Quartal führte.

Branchenübergreifende Herausforderung

Die volkswirtschaftlichen Probleme werden durch geopolitische Faktoren verstärkt. Der Ukraine-Krieg und mögliche längerfristige Energieengpässe sorgen für Unsicherheiten in Bezug auf die Rohstoff- und Energieversorgung. Die Bundeszentrale für politische Bildung hebt hervor, dass Deutschland seit fünf Jahren als „kranker Mann Europas“ gilt. Vor der Corona-Pandemie im Jahr 2020 war die Industrieproduktion bereits rückläufig, und die aktuelle Situation wird zusätzlich durch eine stagnierende Volkswirtschaft verschärft.

Insgesamt wurden in einem Jahr etwa 50.000 Stellen in der deutschen Industrie abgebaut, seit 2019 summiert sich der Verlust sogar auf 152.400. Die Autoindustrie trägt mit 770.000 Beschäftigten eine zentrale Rolle und musste in letzter Zeit einen Umsatzrückgang von 25 Milliarden Euro hinnehmen. Die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für die Industrie zu verbessern, wird immer dringlicher. Jan Brorhilker von EY beschreibt die Industrie als in einer tiefen Krise und warnt vor stagnierenden Umsätzen im kommenden Jahr.

Ausblick auf die Zukunft

Die deutsche Industrie, die 24 % zur gesamtwirtschaftlichen Leistung beiträgt, steht vor der Herausforderung, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Angesichts der aktuellen Lage wird eine Steigerung des Industrieumsatzes um 2 % benötigt, um real auf dem Vorjahresniveau zu bleiben. Tatsächlich liegt dieser jedoch 4 % darunter. Nicht zuletzt wird die Diskussion um notwendige Anpassungsmaßnahmen zur Vermeidung einer Deindustrialisierung immer lauter.

Die Herausforderungen, vor denen Pilz steht, sind Teil eines größeren Bildes, das die deutsche Industrie betrifft. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um herauszufinden, ob Unternehmen wie Pilz ihre Belegschaft halten und gestärkt aus dieser Krise hervorgehen können.