Am Mittwochabend, den 25. September 2025, gegen 21 Uhr, kam es in Ostfildern im Kreis Esslingen zu einem Vorfall, der die Herausforderungen der Polizei im Umgang mit Menschen in psychischen Krisen beleuchtet. Eine 69-jährige Frau hielt sich im Narzissenweg auf, obwohl ihr der Aufenthalt dort behördlich untersagt war. Die alarmierten Polizeibeamten erteilten der Frau einen Platzverweis, doch die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

Die Frau beleidigte und bedrohte die Polizisten und versuchte, sich in ihr Fahrzeug einzuschließen. Während der Festnahme leistete sie erheblichen Widerstand; sie trat und schlug mehrmals nach den Beamtinnen und Beamten, was zu einer Fesselung mit Handschellen führte. Nach Einschätzung der Polizei wurde die Frau als psychisch auffällig beschrieben. Schließlich wurde sie in eine Fachklinik gebracht, um dort die notwendige Unterstützung zu erhalten. Die kurvenreiche Entwicklung dieses Vorfalls wirft Fragen über den Umgang der Polizei mit psychisch belasteten Personen auf, insbesondere in Deutschland.

Psychische Ausnahmesituationen und Polizeiarbeit

Immer wieder kommt es vor, dass Polizisten in Deutschland mit Menschen konfrontiert werden, die in psychischen Krisen stecken. Seit 2019 haben Polizisten in verschiedenen Bundesländern insgesamt 37 Menschen in solchen Situationen erschossen. Tragische Einzelfälle, wie der von Oisín, der 2019 in Hamburg von der Polizei erschossen wurde, verdeutlichen die möglichen Gefahren. Oisín hatte Anzeichen einer Psychose gezeigt und war von seiner Frau in einer Notlage an die Polizei verwiesen worden, nachdem sie um ärztliche Hilfe gebeten hatte.

Die Polizei, die mit einer Vielzahl von Beamten anrückte, fand sich in der Situation wieder, auf eine gefährliche Einschätzung reagieren zu müssen. Oisín trug einen Pfannenwender, den die Polizei fälschlicherweise für eine Waffe hielt, und stellte eine akute Bedrohung dar, was letztlich zu seinem Tod führte. Solche Fälle werfen die Frage auf, wie sinnvoll und adäquat die Ausbildung von Polizisten im Umgang mit psychisch kranken Menschen tatsächlich ist.

Dringende Reformen gefordert

Experten fordern seit längerem eine verbesserte Vorbereitung der Polizeibeamten im Umgang mit psychisch auffälligen Personen. In Deutschland fehlt es jedoch häufig nicht nur an Geld, sondern auch an Personal, um ausreichende Fortbildungsmaßnahmen umzusetzen. Nur drei Bundesländer haben verpflichtende Fortbildungen für Polizeiangehörige eingeführt, während in anderen Regionen der Mangel an Schulungsmöglichkeiten eine größere Gefahr darstellen kann.

Trotz der Vielzahl an Vorfällen bleibt die juristische Aufarbeitung oft unzureichend. 97% der Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte werden eingestellt, was das Vertrauen in die Institution weiter untergräbt. Dass die Eltern von Oisín Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einreichten, ist ein weiteres Signal für den dringenden Reformbedarf im Umgang mit psychischen Krisen durch die Polizei.

Der Vorfall in Ostfildern zeigt auf tragische Weise, dass es wichtig ist, die Herausforderungen, vor denen die Polizei steht, zu erkennen und angemessene Maßnahmen zur Unterstützung in psychischen Notlagen zu ergreifen. Nur durch gezielte Reformen kann das Vertrauen in die Polizeiarbeit gestärkt werden.