In der heutigen Zeit spielt die psychische Gesundheit eine zentrale Rolle in der gesellschaftlichen Diskussion. Gerade die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie anfällig viele Menschen für psychische Erkrankungen sind. Über 150 Millionen Menschen in der Europäischen Region der WHO litten 2021 an solchen Störungen, und die Pandemie hat deren Lage noch verschärft, da viele auf Gesundheitsleistungen verzichten mussten. Mit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz (KI) gibt es neue Möglichkeiten zur Unterstützung in diesem Bereich. Allerdings zeigen aktuelle Studien, dass es erhebliche Defizite in der Anwendung von KI in der psychischen Gesundheitsversorgung gibt.

Die WHO hebt hervor, dass KI als wertvolles Instrument zur Planung von Angeboten und zur Überwachung von psychischen Gesundheitsproblemen angesehen wird. Dennoch ist die übermäßige Förderung neuer KI-Modelle ohne die nötige Realitätsüberprüfung problematisch. Oft gibt es methodische Mängel und unzureichende Validierung der Daten, was die praktische Anwendung von KI behindert. Diese Erkenntnisse wurden in der Studie über „Methodische und qualitative Mängel bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz bei der Forschung im Bereich der psychischen Gesundheit“ zusammengefasst, die 2022 von der WHO präsentiert wurde. Insbesondere wird festgestellt, dass die KI-Forschung sich auf depressive Störungen und Schizophrenie konzentriert, während andere psychische Gesundheitsprobleme vernachlässigt werden.

Innovationen im Bereich der psychischen Gesundheit

Eine bahnbrechende Studie aus Hongkong hat einen neuen Ansatz zur Anwendung von KI in der psychiatrischen Praxis vorgestellt. Die Untersuchung, genehmigt vom Human Research Ethics Committee der Universität von Hongkong, entwickelte eine generative Pipeline, die Fallbeschreibungen in klinische Interviews umwandelt. Dazu wurden qualifizierte Psychiater und klinische Psychologen herangezogen, um die erzeugten Interviews zu bewerten. Das System, EmoScan genannt, besteht aus zwei Agenten, einem Screening-Agenten für emotionale Störungen und einem Interview-Agenten für die Durchführung von klinischen Gesprächen. Die Datenbasis für diese Studie umfasste 1.157 Fälle emotionaler und psychiatrischer Störungen, was ein wertvolles Dataset – PsyInterview – hervorbrachte.

Die Methodik umfasste mehrere Stufen: von der Datensammlung über die Informationsverarbeitung bis hin zur Generierung von Gesprächsprotokollen und der anschließenden Qualitätsprüfung durch Experten. Diese innovative Herangehensweise soll nicht nur die Effektivität in der Durchführung solcher Gespräche verbessern, sondern auch dazu beitragen, Barrieren in der psychischen Gesundheitsversorgung abzubauen.

Herausforderungen und Ausblick

Trotz dieser Fortschritte bleibt die Herausforderung bestehen, eine genaue und faire Nutzung von KI-gestützten Tools in der psychischen Gesundheit zu gewährleisten. Die WHO warns, dass methodische Mängel, unzureichende Transparenz und das Fehlen von Daten-Kooperationen die Reproduzierbarkeit und Validität der Ergebnisse gefährden. Entscheidungen von politischen Entscheidungsträgern basieren oft auf unzureichend validierten Daten, was die Entwicklung effizienterer Strategien zur Förderung der psychischen Gesundheit erschwert.

Der aktuelle Fokus auf KI in der psychiatrischen Versorgung eröffnet zwar neue Perspektiven, jedoch ist eine kritische Auseinandersetzung mit den etablierten Verfahren erforderlich. Der Fortschritt in der psychischen Gesundheitsforschung könnte davon profitieren, wenn innovative Ansätze wie der von der Universität Hongkong entwickelte EmoScan breitflächiger eingesetzt und systematisch evaluiert werden.

Weitere Einzelheiten zu diesen Themen und derlei Initiativen können in den Berichten von Teckbote, Nature und WHO nachgelesen werden.