Im Kreis Esslingen sorgt eine ganz besondere Geschichte für Aufsehen. Regina Ecker, 61 Jahre alt, hat sich entschieden, eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin im Asklepia Seniorenzentrum in Notzingen zu beginnen. In einer Klasse, in der die meisten Mitschülerinnen um die 20 Jahre alt sind, ist sie die älteste. Ihre Entscheidung, sich in einem neuen Berufsfeld weiterzubilden, folgt auf eine bemerkenswerte Wendung in ihrem Leben: Nach der Schließung der Familienbäckerei im April 2023 sucht sie nun eine sinnstiftende berufliche Perspektive.
Regina Ecker hat zuvor als Arzthelferin gearbeitet, jedoch nie in der Altenpflege. Auf eine Stellenanzeige wurde sie durch einen Facebook-Post aufmerksam, der sie zu einem Probearbeitstag führte. Der Umstieg in die Pflege, so erzählt sie, gibt ihr nicht nur neue Erfahrungen, sondern erfüllt sie auch mit Freude. Trotz der körperlichen und mentalen Herausforderungen, die der Pflegeberuf mit sich bringt, fühlt sie sich in ihrem neuen Umfeld wohl.
Berufliche Herausforderungen und persönliche Freude
Die Ausbildung zur Altenpflegehelferin, die sie an der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in Kirchheim absolviert, wird ein Jahr dauern und endet mit einer staatlichen Prüfung. In diesem Zeitraum sind 720 Stunden theoretischer Unterricht und 850 Stunden praktische Ausbildung vorgesehen. Regina Ecker schätzt die Vielseitigkeit des Berufs und den direkten Umgang mit älteren Menschen. Stationsleiterin Frauke Bauer hebt hervor, dass Ecker eine große Bereicherung für das Team ist und ermutigt andere, ebenfalls in die Pflege einzusteigen.
Regina Ecker hat bereits klare Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft. Sie möchte den Beruf so lange wie möglich ausüben und kann sich keinen Ruhestand vorstellen. Diese ambivalente Haltung zum Ruhestand ist für viele Menschen in ihrem Alter nicht ungewöhnlich. Oftmals präferieren sie eine aktive Lebensweise, die durch Arbeit und Engagement geprägt ist.
Neue Wege im Alter
Der Schritt von Regina Ecker zeigt, dass es nie zu spät ist, neue Wege einzuschlagen. Altersgrenzen existieren nicht nur im Beruf, sie sind oft auch sozial konstruiert. Ecker ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man den Mut haben sollte, sich auch im fortgeschrittenen Alter neu zu orientieren und frische Herausforderungen anzunehmen.
Während Regina Ecker in Notzingen ihren neuen Lebensabschnitt beginnt, bleibt die Frage nach der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben in der Altenpflege sowie anderen Sektoren bei älteren Arbeitnehmern spannend. Die Integrationsmöglichkeiten für Menschen, die in der zweiten Lebenshälfte eine neue Karriere starten möchten, sind vielfältig – wie das Beispiel von Ecker erneut unter Beweis stellt.