In Neuhausen auf den Fildern wird am 20. Februar 2026 ein bedeutendes Ereignis stattfinden: Die Verlegung von fünf Stolpersteinen, die an Personen erinnern, die im Naziregime aufgrund physischer Krankheiten starben. Diese Stolpersteine sind mehr als nur Gedenkplatten; sie sind kleine Messingplatten, die in den Gehweg eingelassen werden und somit den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht und einen Namen zurückgeben. Gunter Demnig, der Initiator dieser Gedenksteine, hat bereits über 120.000 Stolpersteine in Europa verlegt und wird auch in Neuhausen anwesend sein, um die Steine zu setzen.
Die Verlegung der Stolpersteine in Neuhausen beginnt an der Kirchstraße 6 und bietet nicht nur einen Überblick über das Leben der betroffenen Personen, sondern wird auch von einem musikalischen Beitrag der örtlichen Musikschule begleitet. Zudem wird eine Kerze zum Gedenken entzündet. Für Teilnehmer mit Mobilitätseinschränkungen steht die Löwenkutsche zur Verfügung, die die verschiedenen Orte anfahren wird. Interessierte können sich bei Rückfragen unter der Telefonnummer 0172 724 4443 melden. Diese Initiative ist Teil einer breiteren Bewegung, die das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus fördert und die Erinnerung wachhält, nicht nur in Neuhausen, sondern in vielen Gemeinden in Deutschland und Europa.

Das Konzept der Stolpersteine

Stolpersteine sind nicht nur in Neuhausen ein wichtiges Symbol, sondern auch in vielen anderen Städten, wie beispielsweise in Schwerin, wo bislang 98 Stolpersteine und eine Stolperschwelle verlegt wurden. Die Idee zu diesen Gedenksteinen entstand 2001 durch eine Schülerinitiative, die das Bewusstsein für die Verfolgung während des Nationalsozialismus schärfen wollte. Stolpersteine erinnern an alle Verfolgten, nicht nur an jüdische Opfer. Die Kosten für einen Stolperstein betragen 120 Euro und werden durch Spenden finanziert. Diese finanziellen Mittel sind entscheidend, um die Erinnerungsarbeit fortzuführen und neue Stolpersteine zu verlegen.
Eine innovative Möglichkeit, die Biografien der NS-Opfer zu erfassen, bietet die Stolperstein-App. Diese ermöglicht es Nutzern, die Geschichten hinter den Steinen durch Scannen der Messingplatten abzurufen. Diese digitale Ergänzung hat das Potenzial, das Gedenken an die Opfer noch zugänglicher und interaktiver zu gestalten.

Ein weltweites Gedenken

Gunter Demnig, der Kölner Künstler, verfolgt mit seinem Projekt das Ziel, den Opfern des Nationalsozialismus ihren Namen und ihre Erinnerung zurückzugeben. Stolpersteine sind mittlerweile das größte dezentrale Mahnmal der Welt und wurden in über 1.800 Kommunen in Deutschland sowie in 29 weiteren Ländern verlegt. Kritiker des Projekts, darunter einige Vertreter jüdischer Gemeinden, äußern Bedenken und sehen in den Stolpersteinen eine Missachtung der Opfer. Trotz dieser Stimmen bleibt das Engagement für Stolpersteine stark, und Putzaktionen, wie die Aktion „Putzen gegen das Vergessen“, finden regelmäßig statt, um die Gedenksteine in Würde zu erhalten. Die nächste Putzaktion von „Stolpersteine im Norden“ ist vom 8. April bis 8. Mai 2026 geplant.

Die Stolpersteine sind nicht nur ein Erbe der Vergangenheit, sondern auch ein Aufruf an die Gegenwart und Zukunft, die Mahnungen der Geschichte ernst zu nehmen und das Gedenken aktiv zu leben. Sie laden uns ein, innezuhalten und die Geschichten der Menschen zu würdigen, die unter dem Regime des Nationalsozialismus gelitten haben. Für mehr Informationen über die Stolpersteine und die damit verbundenen Veranstaltungen können interessierte Leser die Quellen hier, hier, und hier besuchen.