In der beschaulichen Gemeinde Musberg, eingebettet im malerischen Siebenmühlental, ist die Fastnacht eine Zeit des geschäftigen Treibens und der tief verwurzelten Traditionen. Die Stuttgarter Nachrichten berichten, dass die Siebenmühlental-Hexen während dieser festlichen Periode mit Besenbinden, Stricken und dem Bekleben von Schuhen beschäftigt sind. Der Herbst wird genutzt, um Reisig zu sammeln, das für die Herstellung der traditionellen Hexenbesen dient. Diese Besen müssen regelmäßig repariert werden und werden zwischen Weihnachten und Neujahr gebunden.

Die Fasnet, wie sie hier genannt wird, ist Teil der vielfältigen Karnevalsbräuche in Deutschland. Dieser Brauchtum ist in der Region tief verwurzelt und spiegelt eine bunte Mischung von Traditionen wider. Perfekt Deutsch beschreibt, dass die Ursprünge der Faschingsbräuche sowohl in christlichen als auch in heidnischen Traditionen verankert sind.

Historische Wurzeln und Legenden

Die Geschichte der Musberger Hexen reicht bis ins Jahr 1981 zurück, als eine Sage im Musberger Heimatbuch entdeckt wurde. Damals wurde die Geschichte der Besenweiblein, Frauen, die aus armen Verhältnissen stammten und Besen auf Märkten in Stuttgart, Esslingen und Reutlingen verkauften, in einer Maskengruppe dargestellt. Diese Frauen waren häufig gezwungen, nächtlich für Holz zu stehlen, was dazu führte, dass sie der Hexerei beschuldigt wurden, wenn sie erwischt wurden, wie LWK Stuttgart erklärt.

Die Narrenzunft in Musberg, die 1991 gegründet wurde, wird von einer markanten Hexenfigur dominiert. Mit etwa 90 aktiven Hexen, 15 Waldfrevlern und einer Kindergruppe ist sie ein zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens in der Region. Bekannt sind sie zudem für ihre kunstvoll geschnitzten Masken, die von Frank Kühfuß in Frickenhausen gefertigt werden und aus nachhaltigem Lindeholz bestehen. Diese Masken, die mehrere hundert Euro kosten, haben charakteristische Merkmale wie eine krumme Nase und einen schiefen Mund, wodurch sie unverwechselbar sind.

Traditionen und Bräuche

Die Kostüme der Musberger Hexen, auch als Häs bekannt, umfassen eine Jacke, einen Schurz sowie einen Rock und gestrickte Wollstrümpfe und -handschuhe. Besonders auffällig sind die zum Teil mit Sackleinenfetzen beklebten Schuhe, die sich mit der Zeit lösen und somit einen authentischen, chaotischen Look erzeugen. Das Hexen-Häs wird nach der Fasnet nicht gewaschen, sondern lediglich gelüftet und gebürstet, um den traditionellen Charakter zu bewahren.

Die nächsten Umzüge der Siebenmühlental-Hexen stehen bald bevor: Am 8. Februar in Ahldorf, am 12. Februar in Musberg, am 14. Februar bei der Hallenfasnet „Lassada Fatza“ in Musberg und am 15. Februar in Neuhausen auf den Fildern. Diese Ereignisse sind nicht nur ein Fest für die Teilnehmer, sondern ziehen auch viele Zuschauer an, die die lebendige Tradition der schwäbisch-alemannischen Fastnacht hautnah erleben möchten.