Im Rahmen einer umfassenden Rückrufaktion hat der Lebensmittelkonzern Nestlé vor einer möglichen Verunreinigung seiner Babynahrungsprodukte gewarnt. Neben Nestlé sind auch andere Hersteller wie Hochdorf und Lactalis betroffen. Die Rückrufaktion, die Anfang Januar 2023 begann, betrifft Produkte, die mit ARA-Öl hergestellt wurden und möglicherweise mit dem Toxin Cereulid verunreinigt sind. Dieses Gift kann bei Säuglingen Durchfall und Erbrechen auslösen, was die Besorgnis unter den Verbrauchern erhöht hat. Laut NZZ wurde weltweit das größte Rückrufverfahren in der Geschichte von Nestlé eingeleitet und dabei Produkte in fast 70 Ländern betroffen.

In mehreren europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Belgien und Frankreich, wurden Berichte über Erkrankungen von Säuglingen bekannt, die zuvor mit den zurückgerufenen Produkten in Kontakt gekommen waren. Besorgniserregend ist, dass in Frankreich sogar zwei Neugeborene gestorben sind, nachdem sie die betroffene Säuglingsnahrung konsumiert hatten. Die Staatsanwaltschaft in Frankreich hat bereits eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet, um die Umstände dieser Verunreinigungen genauer zu klären. Erste Ergebnisse der Untersuchung werden in den kommenden Tagen erwartet, wie ebenfalls von der NZZ berichtet.

Kritik und Reaktionen auf den Rückruf

Soziale und gesundheitliche Bedenken werden durch die Kritik der Verbraucherorganisation Foodwatch verstärkt. Diese wirft Nestlé vor, bereits früher von den Verunreinigungen gewusst zu haben. Cereulid, das durch das Bakterium Bacillus cereus entsteht, wurde bereits am 16. Dezember von österreichischen Behörden in Produktproben entdeckt. Trotz dieser vorliegenden Informationen, die im EU-Behörden-Schnellwarnsystem RASFF gemeldet wurden, hielt Nestlé es für notwendig, den Rückruf erst am 5. Januar bekanntzugeben. Laut Ärzteblatt führt Nestlé in Deutschland eine umfangreiche Ursachenanalyse durch, die zu einem Nachweis von Cereulid führte, was bereits seit Mitte Dezember das Unternehmen und die Behörden bekannt gewesen sein sollen.

Betroffen sind verschiedene Produkte der Marken „Beba“ und „Alfamino“, die in Dosen, Schachteln und Flaschen verkauft wurden. Insgesamt handelt es sich um eine große Menge an Säuglingsnahrung, die auch in Deutschland hergestellt und in mindestens 30 Länder exportiert wurde. In mehreren Ländern sind bereits Maßnahmen zur Verhinderung eines weiteren Verkaufs der betroffenen Chargen getroffen worden.

Unternehmensantwort und Auswirkungen auf den Markt

Der neue CEO von Nestlé, Philipp Navratil, hat sich öffentlich entschuldigt und versichert, dass derzeit kein nachgewiesener Zusammenhang zwischen den jüngsten Todesfällen und den zurückgerufenen Produkten besteht. Trotz dieser Beruhigungsmaßnahmen verzeichneten die Aktien von Nestlé einen Rückgang um fast 8 Prozent, während die von Danone um etwa 13 Prozent fiel. Dies stellt den niedrigsten Stand seit 2014 dar und wirft Fragen zur Qualitätssicherung innerhalb des Unternehmens auf. Analysten äußern Bedenken, wie sich dieser Skandal langfristig auf die Unternehmensstrategie und das Vertrauen der Verbraucher auswirken wird.

Nestlé hat betont, dass gegenwärtig in der Schweiz keine Krankheitsfälle bekannt sind, dennoch laufen die Untersuchungen sowohl bei Nestlé als auch bei anderen betroffenen Herstellern weiter. Für weitere Informationen können betroffene Verbraucher den Nestlé-Verbraucherservice unter der Telefonnummer 0800/2344944 kontaktieren. Für mehr Details über die Rückrufaktion sowie die betroffenen Produkte wird auf die Seite des Verbraucherschutzforums verwiesen.