In Deutschland verschärft sich die Insolvenzwelle, betroffenen sind Unternehmen aus verschiedenen Branchen, darunter Lebensmittel, Chemie, Automobilzulieferung, Mode und Immobilien. Laut Business Punk wurden im ersten Halbjahr 2025 bereits 11.900 Insolvenzen verzeichnet. Dies entspricht einem Anstieg von 9,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Prognosen für 2025 deuten auf einen weiteren Anstieg, der nahe den Höchstständen aus der Finanzkrise 2009/2010 liegen könnte.

Besonders besorgniserregend sind die Insolvenzen namhafter Unternehmen. Der traditionsreiche Schokoladenhersteller Riegelein, ehemals Weltmarktführer für Osterhasen und Weihnachtsmänner, hat seine Produktion in Cadolzburg eingestellt und einen Großteil nach Polen verlagert. Dies betrifft rund 200 Mitarbeiter. Die Gründe für die Schließung sind vielfältig: unregelmäßige Auslastung, gestiegene Fixkosten und eine abnehmende Wettbewerbsfähigkeit. Auch die Ineos-Gruppe hat die Schließung ihres Phenol-Werks in Gladbeck angekündigt, die hohen Standortkosten und die europäischen Energiekosten zur Ursache wurden genannt.

Hauptursachen für die Insolvenzwelle

Insgesamt lassen sich drei Hauptursachen für die steigenden Insolvenzen identifizieren. Erstens lastet ein erheblicher Kostendruck durch die steigenden Energiepreise auf den Unternehmen. Zweitens führt die nachlassende Nachfrage zu erheblichen Auslastungslücken. Drittens kämpft ein erheblicher Teil der Unternehmen mit Finanzierungsproblemen, was oft auf das Mangeln an Unterstützung durch die Eigentümer zurückzuführen ist. Diese Faktoren haben auch die Hüffermann-Gruppe aus Niedersachsen zur Insolvenzanmeldung veranlasst, die mit hohen Einfuhrzöllen und einer schwachen Konjunktur zu kämpfen hat.

Zusätzlich vermeldet die Unternehmer Edition einen dramatischen Anstieg der Großinsolvenzen, also von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro, der um mehr als 40 % innerhalb eines Jahres gestiegen ist. Im Gegensatz dazu befinden sich über 20 % der Unternehmen in Deutschland in finanziellen Schwierigkeiten, ein Anstieg von 13,1 % im Vorjahr. Besonders betroffen sind die Rohstoffe, Energie, Versorger und die Automobilindustrie.

Politische Reaktionen und Zukunftsausblick

Die politische Diskussion über diese Insolvenzwelle bleibt angespannt und bietet bisher keine Lösungen. Jens Spahn, der Unionsfraktionsvorsitzende, betont: „Das Einzige, das wächst, sind Insolvenzen.“ Kanzler Friedrich Merz äußerte optimistische Erwartungen, sieht sich jedoch der leider harschen Realität gegenüber. Die Experten fordern dringend mehr Vertrauen in Sanierungsverfahren sowie frühzeitige Hilfe von Fachleuten, um die Situation zu stabilisieren.

Das Jahr 2024 war mit 22.400 Unternehmensinsolvenzen bereits das Jahr mit den höchsten Werten seit 2015, und die Tagesschau berichtet, dass die Forderungen der Gläubiger mit rund 3,8 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch waren wie im Vorjahr. Für 2025 wird prognostiziert, dass die Insolvenzzahlen möglicherweise einen Rekordwert erreichen könnten und über 32.000 Fälle anstreben.

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten, die sowohl durch äußere als auch innere Faktoren bedingt sind, haben direkt Einfluss auf die Insolvenzstatistiken. Zwar zeigt der Ifo Geschäftsklimaindex einen Anstieg, dennoch ist eine klare Trendwende nicht in Sicht, was die Sorgen um die künftige wirtschaftliche Stabilität schürt. Der Umbruch in vielen Branchen und Schlüsselindustrien wird 2025 anhalten, und die Probleme resultieren häufig aus jahrzehntelang unzureichenden Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.