In den Städten Altbach und Deizisau wurden Notfallzimmer für Kurzzeitpflege eingerichtet, die als innovative Lösung für pflegebedürftige Angehörige gelten. Dieses landesweite Modellprojekt erfreut sich einer hohen Nachfrage, denn die Auslastung der Akutzimmer liegt bei fast 80 Prozent. Diese Zimmer bieten kurzfristige Pflegeplätze für Menschen, die aufgrund von Notlagen, wie nach Krankenhausaufenthalten oder plötzliche Überforderungen, Unterstützung benötigen. Das erste Akutzimmer, das Cicely-Saunders-Zimmer, wurde im Februar 2017 im Pflegeheim Palmscher Garten in Deizisau eröffnet, gefolgt von einem weiteren im Altbacher Seniorenzentrum, das 2021 eingeweiht wurde.

Gerda Schmid ist die Koordinatorin der Zimmerbelegung und unterhält ein rund um die Uhr erreichbares Hospizhandy für Hilfesuchende. Trotz der hohen Belegungszahlen kommt es manchmal zu Abweisungen, wenn alle Plätze belegt sind. Die Pflege der Gäste erfolgt durch die Mitarbeitenden der jeweiligen Pflegeheime, während die medizinische Betreuung durch lokale Ärzte sichergestellt wird.

Hintergrund und Notwendigkeit

Die Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege zeigt sich in verschiedenen Notfallsituationen. Angehörige benötigen diese Unterstützung etwa nach Krankenhausentlassungen, während sie oft noch nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen. Zudem kommt es häufig zu plötzlichen Krankenhausaufenthalten von pflegenden Angehörigen oder Verzögerungen bei der Verfügbarkeit von Pflegeplätzen. Vor allem die Überforderung bei der Pflege eines sterbenden Angehörigen ist ein bedeutender Grund für die Nutzung dieser Angebote, wie auch die Esslinger Zeitung berichtet.

Wichtig zu wissen ist, dass die Kosten für die Kurzzeitpflege in diesen Notfallzimmern von der Pflegekasse übernommen werden, sofern ein Platz belegt ist. Im Leerstand teilen sich die Kosten der Förderverein, die Gemeinden und die Bruderhausdiakonie. Im Jahr 2024 war das Akutzimmer in Deizisau an 299 Tagen und in Altbach an 274 Tagen belegt, während die Belegungen im Jahr 2023 noch höher waren, nämlich 319 Tage in Deizisau und 226 Tage in Altbach. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass der Bedarf an Kurzzeitpflege stark steigt und möglicherweise die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ausreichen werden.

Eine wachsende Herausforderung

In Deutschland gibt es insgesamt 192 Kurzzeitpflegeeinrichtungen mit 2.930 Plätzen, wobei sich die Zahl der Pflegebedürftigen, die von Angehörigen versorgt werden, kontinuierlich erhöht. Die Möglichkeit, Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege zu beantragen, ist für viele Familien eine wichtige Erleichterung. Diese Pflege kann ab Pflegegrad 2 in Anspruch genommen werden, wenn die häusliche Pflege nicht ausreichend ist. Bundesweit sind 66 Prozent der Einrichtungen in gemeinnütziger Hand, 26 Prozent privat und 8 Prozent kommunal. Besonders die regionalen Unterschiede in der Verteilung der Einrichtungen sind signifikant, da Nordrhein-Westfalen mit 45 Einrichtungen die meisten Kurzzeitpflegeplätze bietet, gefolgt von Sachsen mit 28 und Baden-Württemberg mit 12 Einrichtungen.

Die steigende Relevanz von Kurzzeitpflegeeinrichtungen wird nicht nur durch die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, sondern auch speziell durch die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen bedingt. Diese Entwicklungen verdeutlichen die Notwendigkeit einer flexiblen Unterstützung bei der Pflege bedürftiger Angehöriger, die in Altbach und Deizisau beispielhaft umgesetzt wird. Dennoch bleibt die Zukunft der Kurzzeitpflegeangebote angesichts der wachsenden Nachfrage fraglich, was die Kommunen in der Region vor Herausforderungen stellt.