Mammoet beteiligt sich daran, die komplexen Transport- und Hebelösungen für das Wasserstoff-ready Kombikraftwerk (CCGT) von EnBW in Altbach/Deizisau, Deutschland, zu unterstützen. Dieses neue Kraftwerk soll die bisherigen Kohlekapazitäten ersetzen und wird ein hybrides System nutzen, das sowohl mit Erdgas als auch mit Wasserstoff betrieben werden kann. Diese Entwicklung ist ein wichtiger Schritt in der Energiewende Deutschlands und wird dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Das Projekt stellte die Ingenieure vor erhebliche logistische Herausforderungen, insbesondere aufgrund der Nähe zu einem noch in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerk. Die begrenzten Lagerflächen und die kontinuierliche Stromproduktion erforderten ein präzises und effizientes Vorgehen. Mammoet implementierte hierbei ein „Just-in-Time“-Logistikmodell, das es ermöglichte, überschüssige Komponenten erst dann nach Deutschland zu transportieren, als der Standort bereit für die Installation war, um Engpässe zu vermeiden. Laut Project Cargo Journal wurde eine temporäre Kaimauer errichtet, die es ermöglichte, die Anlieferung und Installation der Komponenten gleichzeitig durchzuführen, ohne den Kohlenstofflieferbetrieb zu stören.
Komplexe Hebearbeiten
Ein bemerkenswerter Aspekt des Projekts war der Umgang mit den 15 HRSG-Modulen, die jeweils bis zu 30 Meter lang waren und zwischen 80 bis 250 Tonnen wogen. Diese Module erforderten besondere Handhabung, um Verformungen zu vermeiden. Die Hebearbeiten erforderten zudem eine Genehmigung vom Flughafen Stuttgart, um die verlängerte Auslegerhöhe der Kräne zu berücksichtigen. Für die Installation des 350 Tonnen schweren Gaskraftwerks, wurde eine ausgeklügelte Technik eingesetzt: strand jacks, die in das Rigging integriert wurden, sorgten dafür, dass das Modul präzise ausgerichtet werden konnte.
Darüber hinaus wurden sechs vorgefertigte Stack-Module, die jeweils bis zu 18 Meter hoch und 95 Tonnen schwer waren, über spezielle selbstfahrende Modultransporter (SPMTs) an den Standort gebracht. Die Planung der Anlieferungsroute nahm mehrere Wochen in Anspruch und umfasste 3D-Scans, um bestehende Infrastrukturen angemessen zu berücksichtigen und um sicherzustellen, dass die Lieferung so reibungslos wie möglich verlief. Diese umfassende Koordination war entscheidend für die Einhaltung der Zeitpläne, für die Sicherheit und für die Minimierung von Störungen im Umfeld des Projektes.
Aspekte der Wasserstofftechnologie
Die Investitionen in Wasserstofftechnologien sind nicht nur auf dieses Kraftwerk beschränkt. Ein weiterer bedeutender Fortschritt ist Shells „Holland Hydrogen 1“, die derzeit größte grüne Wasserstoffanlage in Europa, die im Hafen von Rotterdam entsteht. Mit einem Elektrolyseur von 200 MW Leistung, der durch Offshore-Windenergie betrieben wird, hat die Anlage eine tägliche Produktionskapazität von etwa 60.000 kg kohlenstofffreiem Wasserstoff. Mammoet spielt auch hier eine zentrale Rolle, indem es die schweren Hebelösungen bereitstellt und optimiert, wodurch die Montagezeit um 30 Prozent verkürzt werden kann, wie Hydrogen Fuel News berichtet.
Die Bedeutung von Wasserstoff für die zukünftigen Energienetze wird zunehmend erkannt. Laut dem Fraunhofer IKTS wird bis zum Jahr 2050 ein Wasserstoffbedarf von etwa 400 TWh pro Jahr in Deutschland erwartet. Dies steht in direktem Bezug zur Notwendigkeit, Wasserstoff nicht nur als Energieträger, sondern auch als Rohstoff in der Industrie zu nutzen. Technologien zur Elektrolyse sind entscheidend, um diesen Bedarf nachhaltig zu decken und somit einen wesentlichen Beitrag zur klimaneutralen Produktion zu leisten.
Insgesamt stellt das Projekt von EnBW eine bedeutende Errungenschaft im Bereich der erneuerbaren Energien dar und zeigt, dass komplexe Bauvorhaben in der energiewirtschaftlichen Transformation möglich sind. Die Entwicklungen der Wasserstofftechnologien und die innovativen Ansätze zur Realisierung solcher Projekte sind entscheidend für die kommenden Herausforderungen in der Energiewende.