Die finanzielle Situation der Gemeinde Deizisau ist alarmierend. Um dem angespannten Budget entgegenzuwirken, plant die Verwaltung für das Haushaltsjahr 2026 einen strikt sparsamen Kurs. Bürgermeister Thomas Matrohs betont die Notwendigkeit, klare Prioritäten zu setzen, während die Gemeinde zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder Kredite aufnehmen muss. Die Schuldenaufnahme wird voraussichtlich 2,6 Millionen Euro betragen, um ein drohendes Defizit von ursprünglich 2,5 Millionen Euro auf etwa 1,1 Millionen Euro zu verringern.

Ein wesentlicher Schwerpunkt bleibt die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Gemeinschaftsschule, für die Gesamtkosten von 15 Millionen Euro anstehen. Davon sind bereits drei Millionen Euro im Haushalt eingeplant. In Zeiten stagnierender Staaten und Kommunen wird die Belastung durch gesetzliche Auflagen von Bund, Land und Kreis zusätzlich als schwerwiegender finanzieller Druck wahrgenommen. Der Rückgang der Rücklagen, trotz stabiler Steuereinnahmen von rund 16 Millionen Euro, ist eine besorgniserregende Entwicklung.

Vorrangige Projekte und Einsparmaßnahmen

Für den Masterplan Straßensanierung wurden 400.000 Euro eingeplant. Weitere finanzielle Mittel fließen in den Katastrophenschutz, der mit 100.000 Euro besser aufgestellt werden soll. Auch der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen wird umgesetzt, allerdings mit einem Budget von nur 50.000 Euro. Auf die Neugestaltung der Bücherei muss Deizisau aufgrund der finanziellen Lage bis 2028 warten, obwohl bereits gute Planungen vorliegen. Zudem wird der Neubau des Feuerwehrhauses ebenfalls zurückgestellt, was die Sorgen um die Brandschutzinfrastruktur verstärkt.

Die Gemeinde hat verschiedene Möglichkeiten zur Einnahmensteigerung und zur Kostensenkung identifiziert. Unter anderem wird über Private-Public-Partnerships und Sponsoring für das Feuerwehrhaus und das Freibad nachgedacht. Letzteres kostet jährlich über 250.000 Euro, wird aber als essenziell erachtet. Zudem gibt es Überlegungen zur Gründung einer kommunalen und genossenschaftlichen Wohnbaugesellschaft, um den Wohnraummangel in Deizisau zu bekämpfen.

Künftige Herausforderungen

Die finanzielle Lage kommunaler Haushalte in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark verschlechtert. Eine Vorabauswertung des KfW-Kommunalpanels zeigt, dass 44 % der Kommunen für die nächsten fünf Jahre eine „sehr nachteilige“ Entwicklung erwarten, was auch Deizisau betrifft. Bürgermeister Matrohs fordert deshalb, dass die Gemeinde entschlossen in die Zukunft plant und die Kosteneffizienz erhöht.

Trotz des strikten Sparkurses und der Notwendigkeit, verschiedene Projekte in den Hintergrund zu stellen, bleibt der Gemeinderat optimistisch, dass durch die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen, wie Plochingen und Altbach, Synergieeffekte entstehen können. Die Schwerpunkte liegen weiterhin auf dem Klimaschutz sowie der Schaffung eines nachhaltigen Wohnraums, um der Bevölkerung auch in finanziell angespannten Zeiten ein gutes Zuhause zu bieten.

Die Herausforderungen zur Sicherung der Liquidität sind enorm. Dennoch bleibt die Gemeinde aktiv auf der Suche nach Wegen zur Verbesserung ihrer finanziellen Situation und wird in Zukunft weitere öffentliche Sitzungen zu Finanzthemen einberufen.

Die grundsätzliche Unsicherheit über die Entwicklung der Finanzlage wird auch in einem Bericht des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) deutlich, der von einem Rekorddefizit in Höhe von 24,8 Milliarden Euro für das Jahr 2024 berichtet und die gestiegene Anzahl der Kommunen, die ihre finanzielle Lage als „mangelhaft“ einstufen, anführt.

Die künftige Entwicklung in Deizisau bleibt weiterhin ungewiss, während Bürgermeister Matrohs und der Gemeinderat die Weichen für eine solide finanzielle Zukunft stellen müssen.

Stuttgarter Nachrichten berichten, dass …

Esslinger Zeitung berichtet, dass …

Difu berichtet, dass …