Die afghanische Astronomin Amena Karimyan, geboren am 1. November 1996 in Herat, ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die trotz widriger Umstände bedeutende Fortschritte im Bereich der Astronomie für Frauen in Afghanistan erzielt hat. Sie ist nicht nur die erste Frau in ihrem Land, die sich intensiv mit der Entwicklung und Lehre der Astronomie auseinandersetzt, sondern auch die Gründerin des ersten Astronomie-Clubs für Frauen und Mädchen in Afghanistan. Dieser Club hat internationale Anerkennung erlangt und wurde mit Preisen, darunter eine Auszeichnung des britischen Rundfunks BBC, geehrt. Ihre Initiative zeigt, wie engagiert sie ist, Mädchen und Frauen in einem Umfeld zu unterstützen, das von Diskriminierung geprägt ist, wie Nussbaum berichtet.
Ihr beruflicher Werdegang begann an der Herat University, wo sie 2017 ihr Studium als Bauingenieurin abschloss. Bis Juli 2021 war Karimyan im Rathaus von Herat in einem EU-Infrastrukturprojekt tätig. Neben ihrer Karriere setzte sie sich aktiv für soziale Projekte ein, etwa durch die Organisation von Lunchpaketen für Straßenkinder und die Ermutigung von Mädchen, die Schule zu besuchen. Ihr Engagement für den Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg ist ein weiterer Beweis für ihren unermüdlichen Einsatz.
Flucht und Neubeginn in Deutschland
Die Lage änderte sich dramatisch mit der Machtübernahme der Taliban im August 2021, die zu einer lebensbedrohlichen Situation für Karimyan führte. Nachdem sie mehrfach versucht hatte, nach Pakistan zu fliehen, wurde sie gefasst und wegen des Transports wissenschaftlicher Bücher sowie der Reise ohne männliche Begleitung grausam bestraft. Trotz dieser Rückschläge gelang ihr die Flucht, und sie erhielt ein Visum für Deutschland als besonders gefährdete Frau. Im Januar 2022 kam sie in Deutschland an, wo sie sich neuen Herausforderungen gegenübersah.
In Deutschland muss Karimyan ihre Schul- und Berufsabschlüsse anerkennen lassen und die deutsche Sprache erlernen, um ihre Ambitionen, Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren, verwirklichen zu können. Das erforderliche Sprachniveau ist hoch, stellt jedoch nur eine der Hürden dar, die sie überwinden möchte. Trotz dieser Herausforderungen findet sie Zeit, ihre Leidenschaft für die Astronomie zu leben. Häufig beobachtet sie den Mond von ihrem Balkon in Böblingen mit ihrem Teleskop.
Engagement für die Astronomie und die Zukunft junger Frauen
Über Onlinekurse und Handygespräche vermittelt sie weiterhin astronomisches Wissen an Schülerinnen in Afghanistan. Unter ihrer Leitung qualifizierten sich im Jahr 2023 sieben Mitglieder ihrer astronomischen Organisation Kayhana für die Astronomie-Olympiade in Polen. Dies ist ein weiterer Beweis für das hohe Engagement und die Entschlossenheit, jungen Mädchen die Möglichkeiten der Astronomie näherzubringen. Im Juli 2024 wurde ein 30-minütiger Dokumentarfilm über ihr Leben mit dem Titel „Little Universe“ von Nele Dehnenkamp gedreht, der ihre inspirierende Geschichte festhält.
Amena Karimyan ist somit nicht nur ein Symbol der Hoffnung für viele Frauen und Mädchen in Afghanistan, sondern auch eine beeindruckende Botschafterin für Wissenschaft im Angesicht von Widrigkeiten. Ihre einzigartige Reise zeigt, dass mutige Schritte in die Zukunft, trotz der Herausforderungen, immer möglich sind. Weitere Informationen über ihre Biografie und Leistungen finden Sie auf Wikipedia.