In Sindelfingen stehen die Gebühren für die Kinderbetreuung vor einer deutlichen Erhöhung. Dies wurde am Mittwoch im Ausschuss für Bildung und Betreuung diskutiert, wo ein Entwurf zur Anpassung der Gebührensatzung vorgestellt wurde. Die neuen Betreuungsmodelle, die ab August 2026 eingeführt werden sollen, bringen höhere Kosten mit sich. Der Vorschlag der Verwaltung zur Gebührenerhöhung stieß jedoch auf Widerstand im Gemeinderat.

Die Erhöhung der Gebühren wird mit der aktuellen Haushaltskonsolidierung begründet. Oberbürgermeister Markus Kleemann erläuterte die dramatische Finanzlage der Stadt, die unter einem Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen leidet. Der aktuelle Kostendeckungsgrad im Bereich der Kita liegt bei nur 8,5 Prozent, was im Vergleich zu anderen Städten sehr niedrig ist. Der Städtetag von Baden-Württemberg empfiehlt eine Zielmarke von 20 Prozent.

Geplante Erhöhungen und neue Betreuungsmodelle

Der vorgelegte Entwurf sieht eine schrittweise Erhöhung des Kostendeckungsgrads auf 16,5 Prozent bis 2029 vor. Aktuell zahlen Eltern für die Über-3-Betreuung, die 42,5 Stunden pro Woche ohne Verpflegung umfasst, etwa 137 Euro. Zum Vergleich: In den umliegenden Kommunen liegen die durchschnittlichen Gebühren bei rund 358 Euro. Das bedeutet, dass die Elternbeiträge in Sindelfingen weiterhin unter dem Durchschnitt bleiben sollen, so erste Bürgermeister Christian Gangl.

Zu den neuen Betreuungsmodellen gehören eine Halbtagsbetreuung von fünf Stunden täglich, verlängerte Öffnungszeiten von sechs sowie sieben Stunden täglich und eine Ganztagsbetreuung von acht und neun Stunden täglich. Das neue Konzept umfasst auch eine „Superflex-Betreuung“ mit bis zu zehn Stunden täglich.

Öffentliche Diskussion und Bedenken der Eltern

Der Gesamtelternbeirat äußerte in einem offenen Brief Bedenken bezüglich der möglichen finanziellen Belastung durch die Gebührenerhöhungen. Es wurde angemerkt, dass dies eine dauerhafte Belastung für viele Familien darstellen könnte. Ein Antrag auf weitere Diskussion über die Erhöhung wurde abgelehnt. Dennoch wurde ein Änderungsantrag der Grünen angenommen, der eine zehnprozentige Erhöhung der Gebühren für alle Betreuungsarten vorsieht.

Zusätzlich zur Gebührenanpassung wird die Verköstigungsgebühr in den Kindertageseinrichtungen um zehn Prozent auf 95 Euro pro Monat angehoben. Familien mit mehreren Kindern unter 18 Jahren sollen durch eine gestaffelte Gebührenstruktur entlastet werden. Für einkommensschwache Familien bleibt die Möglichkeit bestehen, eine Berechtigungskarte zu beantragen, um von reduzierten Gebühren zu profitieren – in diesen Fällen können die Kosten um 50 Prozent sinken.

Finanzielle Unterstützung für Familien

Die Notwendigkeit für Änderungen in der Gebührensatzung kommt nicht ohne Grund. Familien mit Kindern benötigen häufig finanzielle Unterstützung, sei es für die Kinderbetreuung oder zur Sicherstellung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Stadt Sindelfingen plant, die Anpassungen moderat und sozialverträglich zu gestalten.

Das Familienportal bietet zudem zahlreiche Informationen zu staatlichen Leistungen, die Familien unterstützen können, darunter Kindergeld, Elterngeld und eine Vielzahl weiterer Fördermöglichkeiten für Familien mit geringem Einkommen. Damit wird gewährleistet, dass trotz der Gebührenerhöhungen die sozialen Bedürfnisse der Familien berücksichtigt werden.

Die endgültige Entscheidung über die neuen Gebühren soll am 10. Februar im Gemeinderat getroffen werden, nachdem das Thema im Verwaltungs- und Finanzausschuss vorberaten wird. Die Eltern und Familien in Sindelfingen blicken gespannt auf das Ergebnis dieser wichtigen Entscheidung.