In Leonberg, einer Stadt im Kreis Böblingen, wurde kürzlich die größte kommunale Bioabfallverwertungsanlage in Baden-Württemberg in Betrieb genommen. Diese innovative Anlage, betrieben von der interkommunalen Bioabfallverwertung GmbH Leonberg, hat sich das Ziel gesetzt, Bioabfälle aus den Landkreisen Böblingen und Esslingen klimaschonend zu verarbeiten und somit Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative wurde das Projekt mit rund 4,7 Millionen Euro gefördert. Die jährliche CO2-Einsparung wird auf etwa 3.700 Tonnen geschätzt, was einen positiven Beitrag zum Klimaschutz darstellt.
Die neue Bioabfallverwertungsanlage ersetzt eine Vorgängeranlage, die am 11. September 2019 aus ungeklärter Ursache abbrannte – ein Vorfall, der den größten Feuerwehreinsatz in der Geschichte Leonbergs auslöste. Die neue Anlage ist deutlich vergrößert worden und hat eine Gesamtkapazität von 72.000 Tonnen, davon 60.000 Tonnen Bioabfälle und 12.000 Tonnen Grünabfälle. Ein besonderes Merkmal der Anlage sind zwei Fermenter mit jeweils 2.250 Kubikmetern Volumen. Jährlich werden hier rund 8 Millionen Kubikmeter Rohbiogas mit einem Energiegehalt von etwa 46.200 Megawattstunden produziert.
Nachhaltige Energieerzeugung und Nebenprodukte
Das in der Anlage produzierte Biogas wird nach Sindelfingen transportiert, wo es methanisiert wird, um ins Fernwärmenetz eingespeist zu werden. Dieses Verfahren ermöglicht es, fossiles Erdgas zu ersetzen und somit die Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energiequellen zu verringern. Zudem entstehen durch den Verwertungsprozess wertvolle Nebenprodukte: Presswasser wird als Flüssigdünger für die Landwirtschaft eingesetzt, während Gärreste für die Kompostierung in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) verwendet werden.
Die Gesamtkosten der neuen Bioabfallverwertungsanlage belaufen sich auf etwa 54 Millionen Euro, wovon 21 Millionen Euro durch eine Versicherung als Entschädigung bereitgestellt wurden. Auch Zuschüsse von Bund und Land tragen zur Finanzierung bei. Die Gesellschafter der Bioabfallverwertung GmbH sind der Landkreis Böblingen mit 65% und der Landkreis Esslingen mit 35%. Ab 2027 soll auch der Landkreis Göppingen hinzukommen, was die interkommunale Zusammenarbeit weiter stärkt.
Regulierungen und Sicherheitsstandards
Die Biogasanlage in Leonberg ist nicht nur ein Beispiel für innovative Abfallwirtschaft, sondern muss auch strengen gesetzlichen Vorgaben genügen. Seit 2012 sind Biogasanlagen mit einer Produktionskapazität ab 1,2 Millionen Kubikmetern Rohbiogas jährlich immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftig. Darüber hinaus müssen sie, sofern sie mehr als 10 Tonnen rohes Biogas produzieren, den Anforderungen der Störfall-Verordnung genügen. Das Umweltbundesamt hat spezielle Arbeitshilfen entwickelt, um Betreibern bei der Einhaltung dieser Vorgaben zu helfen. Diese beinhalten unter anderem sicherheitstechnische Prüfungen und Anforderungen an den Brand- und Explosionsschutz.
Insgesamt ist die neue Bioabfallverwertungsanlage in Leonberg ein zukunftsweisendes Projekt, das nicht nur zur örtlichen Energiegewinnung und Abfallverwertung beiträgt, sondern auch einen wichtigen Schritt in Richtung eines nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaftens darstellt. Das Engagement der Kommunen und die Unterstützung durch Bund und Land zeigen, wie wichtig die Förderung solcher Klimaschutzprojekte ist. Weitere Informationen zu den Fördermitteln und den zugrundeliegenden Initiativen finden Sie im Bericht des Bundesumweltministeriums sowie im Umweltbundesamt.



