In einem aufsehenerregenden Prozess, der in Sindelfingen (Kreis Böblingen) stattfindet, steht ein 46-jähriger Mann wegen Mordes an einer 38-jährigen Frau vor Gericht. Der mutmaßliche Täter äußerte sich am ersten Prozesstag nicht und plant dies auch weiterhin nicht. Die Anklage wirft ihm vor, die Frau im Februar 2025 getötet zu haben. Sie war zuletzt am Abend des 23. Februar 2025 lebend gesehen worden. Seit Anfang März 2025 galt die 38-Jährige offiziell als vermisst, bis ihre Leiche am 22. Mai 2025 in einem Wald bei Sindelfingen gefunden wurde. Waldarbeiter entdeckten die Leiche in einem Amphibiendurchlass, einem Tunnel für Kröten und andere Tiere. Die Tote war fast vollständig nackt.
Der 46-Jährige wurde im Kreis Konstanz festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Rund einen Monat nach dem Fund der Leiche wurde der Verdächtige festgenommen, dem neben Mord auch Totschlag vorgeworfen wird. Zwischen dem Mann und der Frau bestand seit Herbst 2024 eine Bekanntschaft, die ab Anfang 2025 von Streitigkeiten geprägt war. In der Tatnacht soll die 38-Jährige mit einem E-Scooter von ihrer Arbeitsstelle, einer Gaststätte, nach Hause gefahren sein. Der mutmaßliche Täter soll die Frau abgepasst, vom E-Scooter gezogen und durch Gewalteinwirkung gegen den Hals getötet haben. Anschließend soll er die Leiche in einem Amphibiendurchlass versteckt und den E-Scooter in einem nahegelegenen Rückhaltebecken versenkt haben. Weitere Informationen zu dem Fall finden Sie auch bei Spiegel.
Gewaltkriminalität in Deutschland
Der Fall wirft ein Licht auf die Problematik der Gewaltkriminalität in Deutschland, die weniger als 4% aller polizeilich erfassten Straftaten ausmacht. Dennoch beeinflussen Gewaltverbrechen das Sicherheitsgefühl der Menschen stark, oft mehr als Diebstahl oder Betrug. Im Jahr 2024 wurden rund 217.000 Gewaltverbrechen registriert, was die höchste Zahl seit 2007 darstellt. Diese Entwicklung ist alarmierend, da die Zahl der Gewalttaten seit 2021 wieder steigt und fast ein Drittel über dem Tiefstand während der Corona-Pandemie liegt.
Die möglichen Gründe für den Anstieg der Gewaltkriminalität sind vielfältig: wirtschaftliche Unsicherheiten, soziale Belastungen und Risikofaktoren bei Schutzsuchenden könnten hier eine Rolle spielen. Im Jahr 2024 gelang es der Polizei in gut drei Viertel der Fälle, Gewalttaten aufzuklären. Der Anteil junger Gewalttäter hat zugenommen, was auf eine besorgniserregende Entwicklung hinweist. Eine Umfrage im Mai 2024 ergab, dass 94% der Deutschen Gewalt und Aggression gegen Personen aus Politik, Polizei und Rettungswesen als großes Problem ansehen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf Statista.