In der kleinen Gemeinde Mötzingen mit ihren etwa 3.600 Einwohnern wird derzeit hitzig über die Öffnungszeiten der Kinderbetreuung diskutiert. Bürgermeister Benjamin Finis hat den Wunsch geäußert, die bestehenden zehn Stunden zu reduzieren, die seiner Meinung nach nicht mehr verantwortbar sind. In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung wurde ein Vorschlag zur Reduzierung auf neun Stunden jedoch mit 6 zu 5 Stimmen abgelehnt, bei einer Enthaltung. Diese Entscheidung wirft Fragen auf, vor allem angesichts der Herausforderungen, die die Gemeinde bei der personellen Abdeckung am Nachmittag hat, da nur wenige Kinder die Betreuungszeiten in Anspruch nehmen.
Die aktuellen Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtungen in Mötzingen sind montags bis donnerstags von 7 bis 17 Uhr und freitags von 7 bis 16 Uhr. Die Verwaltung hatte ursprünglich eine Anpassung der Öffnungszeiten vorgeschlagen, um jährlich 70.000 Euro einzusparen. Der modifizierte Vorschlag sah einen neunstündigen Betreuungskorridor ohne genaue Zeitfestlegung vor, der nach den Sommerferien umgesetzt werden sollte. Dennoch kritisierten einige Gemeinderatsmitglieder die Kommunikation mit den Eltern sowie die Entscheidung, die Öffnungszeiten zu reduzieren.
Bedarf an Betreuungsplätzen
Die Diskussion um die Öffnungszeiten fällt in eine Zeit, in der junge Familien und alleinerziehende Eltern in Mötzingen verstärkt nach Betreuungsplätzen für ihre Kinder suchen. Wichtige Aspekte sind dabei die berufliche Tätigkeit der Eltern sowie die frühkindliche Förderung. In der Gemeinde stehen verschiedene Betreuungsformen zur Verfügung, darunter Kindergarten, Kinderkrippe und Tagesmutter. Es ist jedoch ratsam, sich frühzeitig um einen Platz zu bemühen, da die Vergabe oft zentralisiert erfolgt.
Das Kita-Portal und Kita-Finder Kindergarten.info bietet wertvolle Informationen über die unterschiedlichen pädagogischen Ansätze der Einrichtungen. Diese reichen von integrativen Kindergärten für Kinder mit Beeinträchtigungen bis hin zu bilingualen Einrichtungen, die verschiedene Kulturen und Sprachen fördern. Zudem gibt es in Mötzingen auch Montessori-, Kneipp-, Waldorf- und Fröbel-Kindergärten, die unterschiedliche Bildungsansätze verfolgen.
Fachkräftemangel als Herausforderung
Ein zentrales Thema in der Diskussion ist der Fachkräftemangel im Betreuungsbereich, der auch in Mötzingen spürbar ist. Die Gemeinde könnte möglicherweise nicht in der Lage sein, die zehn Stunden Betreuungszeit langfristig aufrechtzuerhalten. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde am 21. Mai 2024 eine neue Gesamtstrategie zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Kinderbetreuung vorgestellt. Diese Strategie umfasst rund 50 Empfehlungen zur Fachkräftegewinnung und zielt darauf ab, die Situation für Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte zu verbessern.
Bundesfamilienministerin Lisa Paus und Sascha Karolin Aulepp, Vorsitzende der Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder, betonen die Wichtigkeit dieser Maßnahmen. Prognosen zeigen, dass bis 2030 in Kitas zwischen 50.000 und 90.000 Fachkräfte fehlen könnten. Die Strategie sieht unter anderem Umschulungsförderung und vergütete praxisintegrierte Ausbildungsmodelle vor. Zudem wird erwartet, dass durch verbesserte Betreuungsangebote über 800.000 Personen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen könnten.
In Anbetracht dieser Herausforderungen ist es unerlässlich, dass die Gemeinde Mötzingen eine Bedarfsplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre in Betracht zieht, um zukünftige Diskussionen zu vermeiden. Auch die Frage der Kita-Gebühren, die je nach Träger variieren und nicht an die reduzierte Betreuungszeit angepasst werden können, spielt eine wesentliche Rolle. Die Eltern sind aufgerufen, sich zu vernetzen und Tauschbörsen zu nutzen, um den Austausch und die Unterstützung untereinander zu fördern.
In Mötzingen stehen die Zeichen also auf Veränderung. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Gemeinde mit diesen Herausforderungen umgeht und ob es gelingt, sowohl die Bedürfnisse der Familien als auch die Anforderungen an die Betreuungsqualität in Einklang zu bringen.