Die Faschingszeit in Jettingen-Scheppach hat eine tief verwurzelte Tradition, die weit über die bloße Feier von Umzügen und Kostümen hinausgeht. Besonders prägend für die lokale Kultur ist das jährliche Ereignis des Rumäckra, das am Faschingsdienstag, in diesem Jahr am 4. März 2025, stattfindet. Dieses Fest erinnert nicht nur an die Freude des Wiederaufbaus nach dem 30-jährigen Krieg, sondern auch an die Qualen und den Hunger, die diese Zeit prägten. Die Marktgemeinde Jettingen-Scheppach, im malerischen Schwaben gelegen, ist mit ihren 7.903 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Günzburg.
Ein zentraler Bestandteil des Rumäckra ist der Umzug, der um 12.30 Uhr startet. Hier ziehen drei Männer in traditioneller Bauerntracht mit einem hölzernen Pflug, gezogen von einem Schimmel, durch die Straßen. Das Geschehen symbolisiert den Neuanfang des Marktlebens nach den verheerenden Kriegsjahren. Hinter dem Pfluggespann folgt der Kiraßbuckel, eine dunkel vermummte Gestalt, die Pest und Seuche darstellt, und von einer Hexe mit einer Saublauter gejagt wird. Diese Figuren sind nicht nur Teil der Aufführung, sie erzählen auch von der Geschichte und dem Überlebenswillen der Jettinger.
Frieda Wall und die Geschichte der Burkhardt-Brüder
Die persönliche Geschichte von Frieda Wall, einer Nachfahrin der Burkhardt-Brüder, die Jettingen nach dem 30-jährigen Krieg wiederaufgebaut haben, ist ein weiterer faszinierender Aspekt der Jettinger Faschingsgeschichte. Frieda Wall, geboren 1940 und geborene Burkhardt, gehört zur Linie vom Bachschuster, einem Hausnamen, der in ihrer Generation eine wichtige Rolle spielte. In einer Zeit, in der jeder jeden kannte, oft nur durch Hausnamen, war es bekannt, „wer wo neigheirat hat“. Diese engen Verbindungen innerhalb der Gemeinde spiegeln sich auch in den Fotos wider, die Frieda Wall von ihrer Freundin Franziska Stegherr betrachtet. Diese wurden liebevoll gesammelt und beschriftet, und zeigen nicht nur die Freude der Faschingszeit, sondern auch die Gemeinschaft, die sie prägte. Tragischerweise verstarb Franziska Stegherr im Jahr 2025.
Auf den Bildern ist auch ihre Tochter Birgit Ripper zu sehen, was die familiären und gemeinschaftlichen Bindungen in Jettingen weiter verdeutlicht. Diese Traditionen und das Erinnern an die Vergangenheit sind entscheidend für das kulturelle Gedächtnis der Gemeinde und sorgen dafür, dass die Geschichten der Vorfahren lebendig bleiben.
Faschingsbräuche und ihre Wurzeln
Die Bräuche rund um den Karneval, die Fastnacht und den Fasching sind in Deutschland tief verwurzelt und haben historische Ursprünge, die bis in die Antike reichen. Der Karneval wird in verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedlich gefeiert, wobei das Rheinland und die schwäbisch-alemannische Fastnacht besonders hervorgehoben werden. In Jettingen wird vor allem der Rumäckra als wichtiger Teil des Faschingstraditionskalenders angesehen. Das Fest ist nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch eine Möglichkeit, die Geschichte des Ortes und die damit verbundenen Erlebnisse zu reflektieren.
Die Faschingszeit, die traditionell vor der Fastenzeit gefeiert wird, ist geprägt von Umzügen, Liedern und dem Tragen von Masken und Kostümen. Es ist ein buntes Treiben, das auch die sozialen Rollen in der Gesellschaft thematisiert. Dies geschieht nicht nur in Jettingen, sondern auch in vielen anderen Städten und Regionen, die ihren eigenen, einzigartigen Zugang zu diesem Brauchtum haben. So trägt der Karneval in Jettingen zur Bewahrung und Stärkung der lokalen Identität bei und verbindet die Menschen durch gemeinsame Erinnerungen und Traditionen.
Wenn Sie mehr über die Faschingsbräuche in Jettingen erfahren möchten, finden Sie weitere Informationen in den Quellen: Augsburger Allgemeine, Brauchwiki sowie Wikipedia.