In Herrenberg sorgt eine Petition für Aufsehen, die sich an Bürgermeister Herrn Metzing richtet. Initiatoren sind der Verein StraßenTAUBE und StadtLEBEN e.V., die seit der Corona-Pandemie obdachlose Haustauben an drei genehmigten Futterstellen versorgen. Diese Futterstellen orientieren sich am erfolgreichen Augsburger Modell, das eine verantwortungsvolle Gestaltung des Zusammenlebens von Menschen und Tauben fördert. Interessanterweise ist die Taubenpopulation stabil geblieben, ohne eine Zunahme festzustellen. Wissenschaftliche Daten belegen diese Entwicklung, und Beschwerden aus der Gastronomie sowie von Anwohnern sind seit der Einrichtung der Futterstellen erheblich zurückgegangen.

Ein entscheidender Punkt der Petition ist, dass der Zusammenhang zwischen Tauben und einer erhöhten Rattenpopulation nicht belegt werden konnte. Die Ratten werden vielmehr durch offen zugänglichen Müll angezogen. Allerdings gibt es Berichte über eine Futterstelle, die seit etwa einem halben Jahr sabotiert wird, was zu einer Anlockung von Ratten führt. Anwohner, die gegen diese Futterstelle vorgehen, zeigen sich wenig offen für Lösungen, die eine Rattenabwehr ermöglichen würden. Dies führt zu einer angespannten Lage, da die Stadtverwaltung mit zivilem Ungehorsam konfrontiert wird, während die ehrenamtlichen Helfer Anfeindungen und persönlichen Angriffen ausgesetzt sind.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das Augsburger Modell als Vorbild

Das Augsburger Konzept zur Taubenbetreuung könnte als Vorbild für Herrenberg dienen. Es basiert auf intensiver Beratungsarbeit und der Einrichtung betreuter Taubenschläge, die auch in denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht sein können. Durch eine artgerechte Futterversorgung verbringen die Tauben die meiste Zeit an diesen Orten. Ein weiterer Aspekt des Konzepts ist die Verwendung von Eier-Attrappen, um die Fortpflanzung der Tauben zu kontrollieren. Regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Taubenschläge sind ebenfalls Teil des Programms, um Taubenkot, der jährlich in Mengen von etwa fünf Tonnen anfällt, fachgerecht zu entsorgen.

Die Taubenschläge werden dort eingerichtet, wo verstärkte Taubenprobleme auftreten. Erfolgskontrollen erfolgen über die Anzahl der entnommenen Taubeneier und die Menge des gebundenen Kotes. Dies zeigt, dass eine durchdachte und verantwortungsvolle Taubenbetreuung sowohl Tierschutz als auch die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen kann.

Ein Blick über den Tellerrand: Erfahrungen aus Bernau

Eine ähnliche Situation lässt sich im brandenburgischen Bernau beobachten, wo die hohe Taubenpopulation am Bahnhof zu Beschwerden und Verschmutzungen geführt hat. Die Stadt hat daraufhin ein betreutes Taubenhaus errichtet, um die Population nachhaltig zu reduzieren. Hierbei wurde ein Taubenschlag an einem Hotspot für Tauben eingerichtet, um ausreichend Nist- und Sitzplätze zu schaffen. Interessanterweise wurden auch Locktauben eingesetzt, um weitere Tauben in das neue Zuhause zu locken.

Die Stadt Bernau trägt die Bau- und Umbaumaßnahmen, während eine ehrenamtliche Initiative die tägliche Versorgung und Betreuung der Tauben übernimmt. Die Betriebskosten des Taubenhauses belaufen sich auf etwa 4.000 bis 5.000 Euro jährlich, was zeigt, dass solche Projekte auch finanziell sinnvoll geplant werden können. In Bernau wurde die Taubenpopulation durch verschiedene Maßnahmen erfolgreich reduziert, und die Mehrheit der Bevölkerung steht dem Projekt positiv gegenüber. Solche Erfahrungen könnten auch für Herrenberg von Bedeutung sein, wo die Petition den Erhalt aller Futterstellen für Haustauben fordert und eine sachliche Diskussion über Verbesserungen und Weiterentwicklungen des Modells in Zusammenarbeit mit der Stadt anregt.

Die Argumentation der Petition lautet, dass Straßentauben obdachlose Haustiere sind, die auf menschliche Versorgung angewiesen sind. Abschaffung der Futterstellen würde nicht zur Disziplinierung der Tauben führen, sondern diese unkontrolliert verteilen und leiden lassen. Die Erfahrung anderer Städte zeigt, dass betreute Taubenprojekte sowohl dem Tierschutz als auch den Menschen dienen können. In Herrenberg bleibt die Lage angespannt, und es bleibt abzuwarten, wie die Stadtverwaltung und die Bürger auf die Petition reagieren werden. Eine sachliche Diskussion über die Herausforderungen und Lösungen ist dringend notwendig.

Für weitere Informationen zur Petition besuchen Sie bitte diese Seite.