Die aktuelle Situation der Geflügelhaltung in Deutschland ist angespannt. Besonders der Geflügelhof von Thomas Rott in Aidlingen bleibt derzeit vogelgrippefrei, doch die Bedrohung durch das Virus H5N1 schwebt wie ein Damoklesschwert über der Branche. Rott hält rund 300 Gänse, 300 Hühner und 100 Puten auf seinem Kirchtalhof. Diesen Tieren steht es bislang gut, da sie weiterhin auf der Weide bleiben dürfen – vorausgesetzt, es wird keine Stallpflicht angeordnet. Ein verendeter Kranich im benachbarten Kreis Reutlingen wurde bereits positiv auf das Virus getestet, und im Alb-Donau-Kreis mussten aufgrund eines Nachweises 15.000 Tiere getötet werden. In der Region gibt es bislang keinerlei H5N1-Infektionen.
Thomas Rott betont die Notwendigkeit von Hygiene, sauberem Wasser und qualitativ hochwertigem Futter für seine Tiere. Sollte das Veterinäramt eine Stallhaltung anordnen, wäre er bereit, die Tiere unterzubringen. Besonders in der Zeit um „Martini“ (11. November) und Weihnachten ist die Geflügelhaltung für viele Betriebe von großer Bedeutung. Rott sorgt sich jedoch, dass ein Ausbruch der Vogelgrippe seinen Betrieb erheblich beeinträchtigen könnte. Daher ermutigt er seine Kunden nachdrücklich, weiterhin Gänse zu bestellen und plant selbst, Gänsebraten für die bevorstehenden Feiertage zuzubereiten.
Ausbreitung der Vogelgrippe
Die Geflügelpest breitet sich in Deutschland zunehmend aus, was zur Verhängung einer Stallpflicht für Enten, Gänse und andere Geflügelarten führt. Das Saarland war das erste Bundesland, das diese Maßnahme ergriff, gefolgt von Hamburg und Brandenburg. In Brandenburg müssen die Tiere ebenfalls in Ställe oder unter abgedeckte Schutzvorrichtungen gehalten werden, um den Kontakt mit Wildvögeln zu vermeiden. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft fordert zudem ein bundesweites Aufstallungsgebot, um der Krise entgegenzuwirken.
Seit Anfang September wurden bundesweit bereits 35 Ausbrüche in kommerziellen Geflügelhaltungen und die vorsorgliche Tötung von über 500.000 Tieren gemeldet, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Besonders betroffen sind die Bundesländer Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo etwa 155.000 Tiere getötet wurden, was an die Ausbrüche von 2016/2017 erinnert. In Hamburg sind ab Freitag ebenfalls Stallpflichten in Kraft, da dort drei bestätigt und 14 Verdachtsfälle bei Wildvögeln vorliegen.
Folgen für die Geflügelwirtschaft
Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind schwer abzuschätzen. Landwirte äußern Bedenken hinsichtlich der Stallpflichten, insbesondere im Hinblick auf den Tierschutz. Während einige Kükenmastbetriebe bereits hohe Ertragsausfälle vermelden, weist der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die massenhafte Tierhaltung als mögliche Ursache für den Ausbruch der Vogelgrippe zurück. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hingegen betont, dass Wildvögel das natürliche Reservoir für die Viren bilden und es keine spezifische Versicherung gegen die Folgen einer Vogelgrippeinfektion gibt. Eine Entschädigung ist jedoch aus der Tierseuchenkasse vorgesehen.
Fachleute sehen derzeit keine akute Gefahr für Menschen durch das Vogelgrippevirus H5N1, das seit rund 100 Jahren bekannt ist und vor allem Vögel betrifft, aber auch Säugetiere infizieren kann. Thomas Rott, der seit 1998 keine Tierseuchen auf seinem Hof erlebt hat, bleibt zuversichtlich und hofft, dass sein Geflügelhof von den seuchenbedingten Schwierigkeiten unberührt bleibt. Dennoch bleibt auch für ihn die Sorge vor einem möglichen Ausbruch bestehen. Die kommenden Wochen werden entscheidend für die Geflügelwirtschaft in Deutschland sein.
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