Stuttgart Aktuell

„Toxische Beziehungen kommen schleichend wie Daumenschrauben“

Mit der Kampagne „ReadTheSigns“ – Zeichen erkennen – will das Frauennetzwerk „Soroptimist International“ helfen, aus Gewaltpartnerschaften auszubrechen. Das Netzwerk weist insbesondere auf die Problematik der von der UNO lancierten „Orange the World“-Kampagne hin.

Die Zeichen einer toxischen Beziehung kommen schleichend, wie Rändelschrauben, die langsam immer fester werden, sagt Uta Hessbrüggen. Sie ist Präsidentin des Soroptimist Club Stuttgart Zwei und spricht aus eigener Erfahrung: „Ich bin sehr emanzipiert und selbstbewusst in meine Ehe gegangen und habe es wirklich nicht gemerkt.“

Anlässlich der UN-Kampagne gegen geschlechtsspezifische Gewalt „Orange the World“ verteilen zwei der Soroptimist Clubs in Stuttgart Informationskarten und Bierdeckel, um betroffene Frauen und die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, dass Gewalt gegen Frauen nicht erst anfängt mit körperlicher Gewalt. Psychische Gewalt wird von den Betroffenen selbst oft nicht als solche erkannt, wie zum Beispiel ständige Kritik, Schuldzuweisungen, Liebesentzug oder die Isolation von Freunden.

„Das habe ich nach der Trennung immer noch […] in Situationen plötzlich panisch und gestresst, weil ich die Stimme meines Ex-Mannes in mir hörte, der mit Vorwürfen zurückkam.“

Uta Hessbrüggen, Präsidentin des Soroptmist Club Stuttgart Zwei

Anlaufstellen für Betroffene: Bundesweite Helpline

Ob körperliche oder psychische Gewalt, sie könne jede Frau treffen, unabhängig von Kultur oder Bildung und unabhängig vom Alter, sagt Hessbrüggen. Ein erster Schritt, um sich aus toxischen, gewalttätigen Partnerschaften zu befreien, kann ein Anruf beim landesweiten Hilfetelefon 08000 116 016 sein. Es ist rund um die Uhr besetzt und bietet Beratung in mehreren Sprachen an. In Stuttgart finden Betroffene verschiedene Anlaufstellen der Stadt Stuttgart und „Frauen helfen Frauen eV“.

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Laut Bundesfamilienministerium erlebt jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. Das baden-württembergische Innenministerium hat bekannt gegeben, dass im Jahr 2021 in Baden-Württemberg über 13.200 Fälle von Partnergewalt gemeldet wurden. Um die Dunkelziffer zu untersuchen, führt die Kriminologische Forschung Baden-Württemberg derzeit eine repräsentative Bürgerbefragung beim Bundesministerium für Gesundheit durch Hochschule der Polizei Baden-Württemberg.

Die Zahl der hilfesuchenden Frauen in Stuttgart ist stark gestiegen

Die Zahl der Frauen, die sich wegen häuslicher Gewalt an Beratungsstellen in Stuttgart wenden, ist laut dem Beratungs- und Unterstützungsangebot „Frauen helfen Frauen eV“ in den letzten vier Jahren enorm gestiegen. Von 2018 bis 2021 suchten allein 68 Prozent mehr Frauen Hilfe beim Fraueninterventionszentrum (FIS) in Stuttgart.

Und auch die beiden Frauenhäuser in Stuttgart sind seit Jahren überlastet. Das teilt das internationale Frauennetzwerk „TERRES DES FEMMES Menschenrechte für Frauen eV“ mit. das ist bundesweit ein problem. Für mehr als 14.600 Frauenhäuser gibt es daher in Deutschland zu wenig Plätze.

Die Aktionstage „Orange the World“ beginnen jährlich mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November und enden mit dem Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Vielerorts sind Schilder in Orange gesetzt.

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