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Tierschutzbund: Jedes vierte Tierheim vor dem Aus – auch in BW sind Heime in Not

Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet, dass bundesweit jedes vierte Tierheim geschlossen wird. „Ein Viertel wackelt, weil so viele Probleme zusammenkommen“, sagt Verbandspräsident Thomas Schröder. Die baden-württembergische Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord teilt Schröders Diagnose: „Die Tierheime stehen unter Druck.“ Neben dem höheren Mindestlohn machen sich die gestiegenen Energiekosten massiv bemerkbar.

Erhöhte Tierarztkosten belasten Haushalte und Besitzer

Laut Tierschutzbund ist die Situation aus mehreren Gründen katastrophal. Die neue Gebührenordnung für Tierärzte sieht beispielsweise eine Verdoppelung der Gebühren vor, was nicht nur die Tierheime, sondern auch die Halter unter Druck setzt. Viele müssten ihre langjährigen Begleiter wegen unerschwinglicher Behandlungskosten schweren Herzens im Tierheim abgeben.

„Das hat uns kalt erwischt“, sagte Tierschutzpräsident Schröder. Zudem geraten die Tierheime wegen steigender Energie- und Personalkosten in Bedrängnis. Schröder fordert Bund und Kommunen auf, die Finanzierung der Häuser zu verbessern. Eine einmalige Zahlung von 380 Millionen Euro reichte aus, um sie auf Vordermann zu bringen.

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Özdemir besucht ein Stuttgarter Tierheim

Verbandschef Schröder hat sich am Samstag gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) in einem Stuttgarter Tierheim die tägliche Praxis angeschaut. Özdemir rief potenzielle Tierkäufer zur Vorsicht auf. „Man sollte vor einer Entscheidung ein wenig nachdenken und prüfen, ob man die nötige Zeit, Platz und Abwechslung für das Tier hat“, sagte der Grünen-Politiker am Samstag bei seinem Besuch im Tierheim. Er fügte hinzu: „Tiere sind auch keine Weihnachtsgeschenke.“

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Schröder erklärte, dass die meisten Häuser alt und energetisch nicht auf dem neuesten Stand seien – teilweise hätten sich die Energiekosten verfünffacht. Der Wärmebedarf ist groß: Verletzte Igel und Eichhörnchen sollen nicht auskühlen. Die Terrarien für Warane, Schlangen, Spinnen und kleine Krokodile fressen besonders viel Energie. Schröder rechnet mit einer Flut teurer Reptilien.

Özdemir versprach auch, die lange Zeit vernachlässigten Probleme der Tierheime anzugehen. Er übergab den Stuttgarter Tierschützern einen Betrag von 7.500 Euro. Das Geld stammt aus dem Fünf-Millionen-Euro-Hilfsfonds für Tiere, die von ukrainischen Flüchtlingen gespendet wurden. Auch eine Bundesstiftung zur Förderung von Tierheimen werde derzeit geprüft, sagte Özdemir. Als Reaktion auf Schröders Forderung, den Online-Handel mit Tieren zu verbieten, wandte sich das Ministerium an die zuständigen Verkaufsplattformen. Eine Selbstverpflichtung würde Schröder nicht reichen.

Energiepauschale für Tierheime erforderlich

Der BW-Landestierschutzbeauftragte Stubenbord erklärte: „Ein Teil der während der Corona-Krise spontan erworbenen Tiere ist bereits wieder im Tierheim gelandet, und die steigenden Kosten hindern potenzielle Besitzer daran, sie zu kaufen.“ Außerdem sind die zurückgewiesenen Tiere oft untrainiert; Hunde sind Leinen- und Gehorsam nicht gewohnt oder aggressiv gegenüber Mensch und Tier.

Allerdings hätten verhaltensgestörte Vierbeiner kaum eine Chance, an neue Besitzer vermittelt zu werden. Als ersten Schritt schlägt Stubenbord eine Energie-Flatrate vor, damit zumindest die Heizkosten gedeckt werden können. Sonst droht die Schließung kleiner spendenfinanzierter Heime. Aber jeder wird benötigt, um die Ordnung aufrechtzuerhalten und streunenden Katzen und Hunderudeln auszuweichen.

Zum Beispiel „Zur Sache Baden-Württemberg!“ berichtete am 13.10.2022 zum Thema:

Der Tierschutz will eine einheitliche Finanzierung

Die Finanzierung der Tierheime ist in jeder Kommune unterschiedlich: Es gibt Städte mit tierartspezifischer Abrechnung, anderswo gibt es Flatrates nach Einwohnerzahl oder einen Verzicht auf die Pacht städtischer Flächen. „Wir wollen eine kostendeckende einheitliche Finanzierung“, forderte Tierschutzpräsident Schröder und fügte hinzu: „Wenn es keine Tierheime mehr gibt, fällt die Aufgabe ohnehin auf die Kommunen – wir können die Tiere nicht töten.“

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Weitere Punkte auf seiner Wunschliste sind ein Angebot zur Kastration von Straßenkatzen, ein Verbot des Online-Tierhandels und eine Positivliste für Tiere, die privat gehalten werden können. „In Deutschland darf ich eine sechs Meter lange Schlange im Vorgarten halten“, kritisiert er. Um die notwendigen Investitionen zu tätigen und den Winter zu überstehen, forderte Schröder 160 Millionen Euro aus der Hundesteuer für die Tierheime und ebenso viel aus dem 200-Milliarden-Euro-Hilfspaket des Bundes.

Landwirtschaftsminister fordert Verantwortungsbewusstsein

Das baden-württembergische Ministerium für ländliche Räume appellierte an potenzielle Tierbesitzer, sich vor dem Kauf ihrer Verantwortung für ein Tier bewusst zu sein. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) sagte: „Ein Haustier aus seiner gewohnten Umgebung herauszunehmen und ins Tierheim abzuschieben, ist in jedem Fall eine enorme Belastung für das betroffene Tier und die Tierheime.“

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