Deutschland

Tausende kommen, um das deutsche Team von der Euro 2022 zurück zu begrüßen

BERLIN (AP) – Deutschlands knappe Niederlage gegen England im Finale der Frauen-EM könnte sich für den Frauenfußball im Land noch als vorteilhafter erweisen, als es ein weiterer Titel gewesen wäre.

Am Montag wurde die Mannschaft in Frankfurt wieder als Helden empfangen, als tausende fahnenschwingende Fans vor dem Rathaus eintrafen, um Trainerin Martina Voss-Tecklenburg und ihren Spielerinnen ihre Wertschätzung zu zeigen.

„Es ist verrückt, dass eine Leistung über mehrere Wochen gewürdigt wird und nicht nur mit einem Sieg“, sagte Voss-Tecklenburg.

Chloe Kellys Tor in der Verlängerung verwehrte Deutschland den neunten EM-Titel und bescherte England den ersten – und löste dort euphorische Feierlichkeiten aus – doch der Einzug der deutschen Mannschaft ins Endspiel sorgte bei den Fans für große Begeisterung, nicht zuletzt, weil die Männer bei großen Turnieren gefloppt sind seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014.

Durchschnittlich fast 18 Millionen Zuschauer verfolgten das Endspiel am Sonntag in der ARD und brachen damit einen elf Jahre alten Rekord für den Frauenfußball aus der WM 2011. Die Zuschauerzahlen für die Euro 2022 stiegen, als Deutschland das Finale erreichte. Etwas mehr als 12 Millionen sahen den Halbfinalsieg gegen Frankreich.

Alexandra Popp, die ihr Team im Wembley-Stadion mit sechs Toren ins Endspiel führte, verpasste das Entscheidungsspiel, nachdem sie im Warmup ein Muskelproblem gemeldet hatte. Es gab Deutschlands Niederlage ohne seinen Kapitän ein Gefühl der Tragödie und machte das Team bei seinen Fans noch beliebter.

„Wir wollten eigentlich Europameister werden und nicht Meister der Herzen“, sagte Voss-Tecklenburg. „Aber wenn uns die tollen Leistungen geholfen haben, sich in die Herzen der Deutschen zu spielen, dann freuen wir uns, Meister der Herzen zu sein.“

Stolz auf die Leistungen und die Enttäuschung über die Niederlage ließen einige dem Deutschen Fußball-Bund vorwerfen, er tue nicht genug, um Spielerinnen zu fördern, und behandele den Frauenfußball gegenüber dem Männerfußball als Nebensache.

„Dass es keine wirkliche Wahrnehmung gibt, zeigt sich, wenn drei Spiele im (Männer-)DFB-Pokal zeitgleich mit dem Frauenfinale in Wembley angesetzt werden“, sagte die Sprecherin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann, der Nachrichtenagentur DPA. „Die Förderung junger fußballbegeisterter Mädchen und Frauen muss massiv ausgebaut werden. An finanziellen Mitteln des Verbandes kann es nicht scheitern. Jetzt muss es richtig losgehen.“

Regierungssprecher Wolfgang Büchner sagte, man wolle mehr für den Frauenfußball tun, ging aber nicht auf Details ein. Deutschland sei mit seinen Leistungen in England „ein Vorbild für viele Frauen im Sport und auch in anderen Bereichen der Gesellschaft“.

Fußball-Bundesligist Hans-Joachim Watzke hofft, dass der Einzug der Voss-Tecklenburg-Mannschaft ins Finale – und das damit verbundene Interesse zu Hause – auch in der Frauen-Bundesliga, wo die Zuschauerzahlen normalerweise recht niedrig sind, eine Domino-Wirkung haben wird.

„Turniere sind schön und wichtig, sollten aber idealerweise den sportlichen Alltag widerspiegeln. Das wünsche ich mir sehr, weil ich das immense Engagement im Frauenfußball sehe. Aber am Ende ist es immer dasselbe – man stimmt mit den Füßen ab“, sagte Watzke dem Magazin Kicker.

Watzke, der auch Vorstandsvorsitzender des Männer-Schwergewichts Borussia Dortmund ist, verwies in der Debatte um die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern auf die im Vergleich zum Männerfußball geringen Einnahmen des Frauenfußballs.

„Es ist offensichtlich, dass gleiches Entgelt das Ziel ist. Aber bei gleichen Einnahmen“, sagte Watzke.

Im Gespräch mit der Tageszeitung Bild forderte die Spielerin von Deutschland und Bayern München, Lina Magull, einen Mindestlohn für Spielerinnen in der ersten und zweiten Liga.

„Wir Spieler sollten an der zweiten Liga so viel verdienen, dass niemand mehr in Teilzeit arbeiten muss. Wir reden hier von einem Mindestgehalt von 2.000 oder 3.000 Euro im Monat“, sagte Magull. „So kann man die Entwicklung des Frauenfußballs nachhaltig vorantreiben.“

In einer Ansprache an die heimkehrende deutsche Mannschaft in Frankfurt sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Bernd Neuendorf, dass die Bemühungen der Spielerinnen bei der Euro 2022 einen Neuanfang für den Frauenfußball im Land inspiriert hätten.

„Wir haben am Sonntag das Ende eines Turniers erlebt, aber auch den Beginn von etwas ganz Großem. Darüber können wir uns alle freuen“, sagte Neuendorf. „Wir hoffen natürlich, dass wir durch dieses wunderbare Turnier viele Frauen und junge Mädchen in den Fußball bringen.“

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Quelle: APNews

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