Pressekonferenz der IMK vom 16. - 18. Juni 2021

Symbolische Staffelstabsübergabe der Innenministerkonferenz

Der Vorsitz der Innenministerkonferenz wechselt: Baden-Württemberg übergibt den Staffelstab der Innenministerkonferenz für 2022 an Bayern. Im Anschluss an die Pressekonferenz findet der erste „IMK-Kamin“ mit der neuen Bundesinnenministerin Nancy Faeser zu aktuellen innenpolitischen Themen statt.

Baden-württembergischer Innenminister Thomas Strobel hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Stabübergabe für den IMK-Vorsitz: Bayern übernimmt 2022 den Vorsitz der Ständigen Konferenz der Innenminister und Senatoren der Länder. Die Staffelübergabe fand am Rande des sogenannten, traditionellen IMK-Kamins statt, einem vertraulichen Treffen der Innenminister des Bundes und der Länder, bei dem aktuelle innenpolitische Themen in einem informelleren Rahmen diskutiert werden. Erstmals durften die Innenminister der Länder in dieser Gruppe den neuen Bundesinnenminister treffen Nancy Faser grüßen.

„Der Innenministerkonferenz werden 2022 die Themen für die Sicherheit der Menschen nicht ausgehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns gleich zu Beginn des Jahres in einem vertraulichen Kreis zusammensetzen, um aktuelle Themen zu diskutieren, die wir haben und müssen.“ beschäftigen wir uns in diesem Jahr mit dem Krisenmanagement zwischen Bund und Ländern und dem Umgang der Sicherheitsbehörden mit Corona-Demonstrationen“, sagte Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl.

Umgang mit Corona-Demonstrationen

„Bundesweit stellen wir seit Anfang vergangenen Dezembers und damit seit Beginn der öffentlichen Diskussion um die mögliche Einführung einer Impfpflicht eine deutliche Zunahme der Versammlungszahlen und eine zunehmende Emotionalisierung der Teilnehmer fest – vor allem in der Form sogenannter „Walks”. Die Innenminister sprechen hier die gleiche Sprache: Wir stehen nicht tatenlos daneben. Unsere Polizei schützt diejenigen, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung friedlich ausüben. Doch wer durch die Straßen irrt, die Grundrechte der Meinungs- und Versammlungsfreiheit mit Füßen tritt, sie sogar ausnutzt, um Hass und Hetze zu säen, überschreitet eine rote Linie. Und hier sind wir ganz klar: Wir setzen Rechtsstaatlichkeit konsequent durch, melden Straftaten und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und stellen uns entschlossen gegen Gewaltbereite. An dieser Stelle sage ich auch ganz klar: Distanzieren Sie sich unmissverständlich von geistigen Brandstiftern und von Gewalt und Extremismus. Hass und Hassreden werden auch immer mehr über das Internet verbreitet. Messenger-Dienste wie Telegram spielen hier eine große Rolle und wirken wie ein Brandbeschleuniger – mit entsprechendem Hetze- und Mobilisierungspotenzial. Deshalb haben wir sie unter meinem Vorsitz in der Innenministerkonferenz genau unter die Lupe genommen. Es ist gut und wichtig, wenn die Bundesregierung jetzt alles tun will, alles, um die Lücken, die in diesem Bereich bestehen, zu schließen. Klar ist aber auch, dass es vermutlich keine Einheitslösung geben wird. Deshalb müssen wir alle Register ziehen: polizeilich, rechtlich, wirtschaftlich und technisch“, sagte Minister Thomas Strobl.

„Protest und Demonstrationen gehören zur Demokratie. Und natürlich können Sie auf die Straße gehen, weil Sie sich Sorgen um die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie machen. Die große Zahl der Menschen, die auf die Straße gehen, ist friedlich. Doch inzwischen werden Demonstrationen zunehmend von Rechtsextremen instrumentalisiert und missbraucht. Wir lehnen Unmenschlichkeit und gefährliche Verschwörungstheorien klar ab. Gewaltausbrüche, Hass und Hetze werden wir nicht hinnehmen – im Internet und auf der Straße. Bei Gewalt gilt der Rechtsstaat. Mein herzlicher Dank gilt den Polizisten, die sich jetzt für uns einsetzen“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser.

„Wir müssen den Gewaltbereiten entgegentreten, die die Corona-Thematik nur als Aufhänger nutzen, um ihre radikalen Ideen und ihre antidemokratische Haltung zu verbreiten. Die Bekämpfung jeglicher Form von Extremismus und verfassungsfeindlichen Bestrebungen ist seit jeher ein zentrales Anliegen des IMK. Ich werde mich für eine verstärkte Beobachtung extremistischer Bemühungen innerhalb der ‚Kritikerbewegung Corona-Maßnahmen‘ und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Entwicklungen im Links- und Rechtsextremismus einsetzen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Niedersächsischer Minister des Innern und für Sport und Sprecher der A-Staaten, Boris PistoriusSie betont: „Wir sprechen hier von einer sehr kleinen Gruppe, die im Verhältnis zum Rest der Gesellschaft viel Aufmerksamkeit bekommt. Jeder kann für und gegen demonstrieren, was er will, aber die geltenden Regeln, insbesondere Abstandsgebote und Maskenpflicht, müssen eingehalten werden. Daran halten sich diese Teilnehmer jedoch bewusst nicht. Das ist der Kern dieser Versammlungen: Sie nutzen das Grundrecht auf Versammlung, das in einer Demokratie selbstverständlich ist. Die für alle geltenden demokratisch legitimierten Regelungen lehnen sie jedoch als staatliche Bevormundung und Diktatur ab. Für viele dieser Menschen sind die notwendigen Corona-Maßnahmen gerade der aktuelle Anlass, gegen den Staat auf die Straße zu gehen und Hass gegen die zu verbreiten, die Vertreter dieses Staates sind, unsere Polizisten. Das akzeptieren wir nicht und gehen konsequent dagegen vor, auch im Hinblick auf den Messenger-Dienst Telegram. Dies wird oft genutzt, um die Begleitung dieser selten registrierten Versammlungen durch geplante polizeiliche Strategien bewusst so schwer wie möglich zu machen. Gemeinsam mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser wollen und werden wir ein Zeichen setzen, indem wir uns an die Betreiber der großen App-Stores wenden, damit sie Telegram nicht mehr anbieten. Wir tolerieren in keiner Weise die Verbreitung von Hass, Hassreden und sogar Mordaufrufen gegen Politiker, Polizisten oder Journalisten.“

Krisenmanagement von Bund und Ländern

„Gerade in Zeiten einer Pandemie ist der gesellschaftliche Zusammenhalt wichtig und wir müssen ihn stärken. Erfolgreiches Krisenmanagement ist dabei ein wichtiger Baustein. Je besser wir mit einer schwierigen Situation umgehen, desto höher ist das Vertrauen, die Zuversicht und die Zufriedenheit der Menschen Deshalb haben wir letztes Jahr damit begonnen, das Krisenmanagement von Bund und Ländern zu verbessern, es mit einer echten, neuen Landeszentrale auf eine neue Ebene zu heben.Hier sind wir auf dem richtigen Weg, auch unter Einbeziehung neuester Technologien, wie z künstlicher Intelligenz, um Millionen von Daten in Echtzeit automatisiert auszuwerten und damit auf deren Basis schnell, fundiert und vorausschauend handeln zu können.Nun haben wir die einmalige Chance, dieses neue Zentrum nicht nur zum Schrittmacher zu machen , dem Motor der staatlichen Krisenprävention und des staatlichen Krisenmanagements, aber auch Wirtschaft und Industrie, und hier besonders: auch die Kritischen Infrastrukturen – und damit wirklich alle wichtigen Akteure mit ins Boot holen Das müssen wir aber tun, und daran arbeiten wir jetzt mit vereinten Kräften”, sagte Minister Thomas Strobl.

„Ich freue mich, dass die Arbeiten zum Aufbau des gemeinsamen Kompetenzzentrums Bevölkerungsschutz in enger Zusammenarbeit mit den Bundesländern so gut vorankommen. Alle wichtigen Akteure des Bevölkerungsschutzes werden hier in einen institutionalisierten Informations- und Fachaustausch eingebunden muss nun schnellstmöglich beginnen und Schritt für Schritt konsequent vorangetrieben werden. Ich würde es sehr begrüßen, wenn dem Kompetenzzentrum im Einvernehmen mit Bund und Ländern auch in Zukunft neue Aufgaben übertragen würden”, sagte Bundesminister das Innere Nancy Faeser.

„Im Bereich Katastrophen- und Bevölkerungsschutz werden wir uns in Zukunft auf deutlich komplexere und bedrohlichere Risikosituationen einstellen müssen. Krisenmanagement erfordert flexible Strukturen, die schnell und effektiv an die jeweilige Krisen- und Risikosituation angepasst werden können. Wir brauchen daher diese deutlich verstärkte Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Bund und Ländern bei großen, länderübergreifenden oder bundesweiten Katastrophen. Im “Gemeinsamen Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz” sollen Bund und Länder vor allem bei der Vorbereitung auf Krisen und der Verbesserung des eigentlichen Krisenmanagements zusammenarbeiten”, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius betont: „Wir haben kürzlich ein Netzwerk niedersächsischer Cyberkrimineller mit vielen internationalen Partnern abgeschaltet. Daran waren zahlreiche Bundesländer beteiligt. Europol hat in diesem Zusammenhang wieder einmal eine hervorragende Rolle gespielt Jahre, um Verantwortlichkeiten auszuweiten und die Zusammenarbeit mit Europol zu intensivieren. Kriminalität kennt keine Grenzen, schon gar nicht im Internet. Aber nicht nur die Bedrohung durch schwere Cyberangriffe auf unsere Krankenhäuser, Energieversorger und andere kritische Infrastrukturen, sondern auch die zunehmenden Gefahren des Klimawandels, wie die Flutkatastrophe im vergangenen Sommer machen deutlich, dass wir im Zivil- und Katastrophenschutz noch schneller reagieren und uns in Krisensituationen möglichst nah mit allen Ländern und dem Bund abstimmen müssen an Bundes- und Ländergrenzen enden!Deshalb sollten wir ein nationales Krisenmanagementsystem mit einer Nation aufbauen und etablieren l Krisenkommando. In einem nationalen Notfall brauchen wir ein zentrales und kooperatives Ad-hoc-Management. Ein solches Krisenmanagement bedeutet auch eine engere Zusammenarbeit auf internationaler Ebene, weshalb sich Deutschland künftig noch stärker auf europäischer Ebene engagieren und andere Staaten in die Pflicht nehmen muss. Hier gilt es nun, intensiv ins Gespräch zu kommen.“

***

Der Vorsitz der „Ständigen Konferenz der Innenminister und Senatoren der Länder“ – kurz Innenministerkonferenz (IMK) – wechselt jedes Jahr alphabetisch. 2021 hatte Baden-Württemberg den Vorsitz im IMK inne, in diesem Jahr übernahm Bayern den Vorsitz. Als neuer IMK-Vorsitzender führt Staatsminister Joachim Herrmann die Amtsgeschäfte. „Im vergangenen Jahr 2021 standen die Corona-Pandemie und das Krisenmanagement zwischen Bund und Ländern, die Bekämpfung von Hass und Hetze sowie Cybersicherheit und grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Mittelpunkt der Beratungen der Innenminister 2022, das vor uns liegt, wünsche ich meinem Ministerkollegen Joachim Herrmann weise Entscheidungen und stets viel Glück“, sagte Minister Thomas Strobl.

Das IMK wurde 1954 gegründet, um die grenzüberschreitende technische Zusammenarbeit, die zuvor im Wesentlichen auf der Arbeitsebene durchgeführt wurde, auch auf politischer Ebene zu verankern. Sie gilt als eine der wichtigsten Ministerkonferenzen der Republik.

Ihm gehören die Innenminister und Senatoren der Länder an. Der Bundesminister des Innern nimmt als ständiger Gast ohne Stimmrecht an den Sitzungen teil. Das IMK trifft sich in der Regel zweimal jährlich zur Behandlung seiner Themen, sofern nicht aus aktuellen Gründen besondere Sitzungen erforderlich sind. Neben den Sitzungen werden laufend Umlaufbeschlüsse gefasst. Das Themenspektrum des IMK reicht von Fragen der inneren Sicherheit, der Polizei und des Verfassungsschutzes über ausländer- und asylrechtliche Fragen bis hin zu kommunalen Angelegenheiten und Fragen der Verwaltungsorganisation und des allgemeinen Dienstrechts.

Für IMK-Beschlüsse gilt das Einstimmigkeitsprinzip.


Logo der Innenministerkonferenz (IMK) 2021 unter Vorsitz Baden-Württembergs.

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