Am Freitag, den 21. November, werden in Stuttgart 15 neue Stolpersteine verlegt. Diese Initiative, die von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen wurde, gedenkt der Opfer des nationalsozialistischen Regimes. Insgesamt werden nach der Verlegung 1066 Stolpersteine in der Stadt liegen, die an die Schicksale der Stuttgarter erinnern, die während dieser dunklen Zeit verfolgt und ermordet wurden.

Die Zeremonie beginnt um 9 Uhr in Weilimdorf mit einem Gedenkstein für Alfons Lindenfeld. Lindenfeld floh 1937 und wurde vermutlich in einem Lager ermordet. Um 13.30 Uhr werden die letzten drei Stolpersteine für die Familie Straus verlegt. Oft nehmen Angehörige der Opfer an diesen emotionalen Momenten teil, da viele der Ermordeten kein Grab haben.

Standorte der Stolpersteine

Die Stolpersteine werden an verschiedenen Orten in Stuttgart verlegt, darunter:

  • Widdumhofstraße 34: Alfons Lindenfeld
  • Eduard-Pfeiffer-Straße 43: Pauline und Felix Sontheimer, deportiert nach Theresienstadt
  • Azenbergstraße 57: Fritz, Paul und Heinz Sontheimer, konnten 1938/39 fliehen
  • Arminstraße 39: Richard Schwarz, ermordet in Grafeneck
  • Dobelstraße 3: Ella Ast, ebenfalls ermordet in Grafeneck
  • Frauenstraße 17: Martha Leiss, ermordet in Grafeneck
  • Schloßstraße 47: Esther, Max und Justus Hommel, Max wurde deportiert und starb in Theresienstadt
  • Gablenberger Hauptstraße 173: Clara, Paula und Lilli Straus; Clara und Paula wurden deportiert, Paula starb in Auschwitz

Hintergrund und Bedeutung

Die Stolpersteine sind 10 cm große Betonwürfel mit eingravierten Messingplatten, die die Namen und Lebensdaten der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung tragen. Diese Erinnerungssteine wurden erstmals 1992 in Köln verlegt und sind seitdem zu dem weltgrößten dezentralen Denkmal gewachsen, mit über 100.000 Steinen bis Juni 2023. Hauptsächlich erinnern sie an jüdische Opfer des Holocaust, würdigen jedoch auch andere von den Nazis verfolgte Gruppen, darunter Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen und Zeugen Jehovas.

Die Installation der Stolpersteine erfolgt meist direkt im Gehweg, wodurch sie weniger auffällig sind und Passanten dazu anregen, den Gedanken an die Opfer aktiv zu reflektieren. Die Namensstempel erinnern nicht nur an die schrecklichen Schicksale der Vergangenheit, sondern laden auch zu einer Auseinandersetzung mit der Geschichte ein. In vielen Städten, so auch in Stuttgart, ist die Recherche nach den Opfern oft ein gemeinschaftliches Projekt, an dem Schüler, Lehrer und Geschichtsvereine beteiligt sind.

Die Verlegung der neuen Stolpersteine wird ein weiterer Schritt sein, um die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten und die Gesellschaft an die Untaten der Vergangenheit zu erinnern. Während die Steine oft als praktisches Werkzeug zur Erinnerung fungieren, sind sie auch ein mahnendes Symbol und ein Zeichen der Wertschätzung für die Erinnerungen derer, die unter dem nationalsozialistischen Regime gelitten haben. Die Stolpersteine stehen somit nicht nur für individuelle Schicksale, sondern auch für die kollektive Verantwortung, die Geschichte nicht zu vergessen.