In Stuttgart wird die Diskussion um die Verkehrssicherheit von Kindern immer drängender. Eine Elterninitiative aus dem Stadtteil Möhringen hat eine Petition gestartet, die sich an den Gemeinderat richtet und die Einrichtung von Tempo-30-Zonen im gesamten Viertel fordert. Der Grund: Kinder sind täglich in großer Zahl zu Fuß, mit dem Roller oder Fahrrad unterwegs und geraten regelmäßig in gefährliche Verkehrssituationen, bedingt durch schnell fahrende Autos. Tägliche Berichte über Beinahe-Unfälle verdeutlichen die Problematik und machen eine dringende Handlung notwendig. Laut der Petition, die unter Open Petition eingereicht wurde, liegt die Überlebenschance bei Unfällen für Fußgänger bei Tempo 30 über 90 %, während sie bei Tempo 50 unter 20 % sinkt.

Ein Vergleich mit anderen Städten zeigt, dass Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung durchaus Erfolge verzeichnen können. So hat Freiburg über 400 Kilometer seines Straßennetzes auf Tempo 30 umgestellt, während Berlin bereits 60 % Tempo-30-Straßen aufweist. Auch in Städten wie Herzogenrath und Hilden wurde Tempo 30 in allen Wohngebieten eingeführt. Auf internationaler Ebene führte Spanien 2021 landesweit Tempo 30 für städtische Straßen mit einer Fahrspur pro Richtung ein. Ein weiteres Beispiel ist Brüssel, wo die Zahl der Verkehrstoten nach Einführung von Tempo 30 um 25 % sank.

Vorteile von Tempo 30

Die Vorteile einer solchen Regelung liegen auf der Hand. Neben der erhöhten Sicherheit für Kinder und ältere Menschen tragen Tempo-30-Zonen auch zu weniger Lärm und besserer Luftqualität bei. Dadurch wird die Lebensqualität insgesamt gesteigert und ein ruhigeres Wohnumfeld geschaffen, das zudem den Rad- und Fußverkehr fördert.

Eine neue Novelle der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) unterstützt diese Bestrebungen. Diese erleichtert die Anordnung von Tempo 30 an Schulen, Kitas und Krankenhäusern, selbst auf Bundesstraßen. Neu eingeführt wurden auch Tempo-30-Zonen an Spielplätzen und Zebrastreifen. Die Regelung erlaubt es zudem, Lücken zwischen bestehenden Tempo-30-Strecken bis zu 500 Meter zu schließen. Dies soll besonders hochfrequentierte Schulwege sicherer machen. Laut ADFC kann Tempo 30 nun auch in Nähe von sensiblen Einrichtungen ohne den Nachweis einer besonderen örtlichen Gefahrenlage angeordnet werden.

Die Elterninitiative in Möhringen hofft auf Unterstützung von der Stadt Stuttgart, um flächendeckend Tempo-30-Zonen einzurichten. Damit sollen die Schulwege sicherer gemacht und das Risiko für Kinder erheblich reduziert werden. Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen bieten eine ideale Basis, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern und das Leben in den Wohngebieten zu fördern.