Kinderkrankenhäuser in Stuttgart: Eine dunkle Geschichte des Krieges

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Erforschen Sie die Realität der Kinderkrankenhäuser in Stuttgart während des Zweiten Weltkriegs und die Rolle der Militärmedizin.

Erforschen Sie die Realität der Kinderkrankenhäuser in Stuttgart während des Zweiten Weltkriegs und die Rolle der Militärmedizin.
Erforschen Sie die Realität der Kinderkrankenhäuser in Stuttgart während des Zweiten Weltkriegs und die Rolle der Militärmedizin.

Kinderkrankenhäuser in Stuttgart: Eine dunkle Geschichte des Krieges

Im Schatten des Zweiten Weltkriegs erlebte Stuttgart eine düstere Realität in seinen Kinderkrankenhäusern. Ein kürzlich veröffentlichter Artikel von Jan Sellner dokumentiert die Geschehnisse in der Stadt während dieser turbulenten Zeit. Besonders hervorzuheben ist die Rolle der sogenannten „Kinderfachabteilung“, die erst Ende 1942 oder Anfang 1943 eingerichtet wurde und deren Existenz ein düsteres Bild der Versorgungssysteme für behinderte Kinder offenbart. Während die Aufnahmen aus den Kinderkrankenhäusern auf Fürsorge und Hilfe hindeuten, zeigt die Realität, dass viele von ihnen weit von diesem Ideal entfernt waren. Katharina Ernst, die Leiterin des Stadtarchivs, hebt hervor, dass in den Filmen aus der Kriegsfilmchronik von 1941 bis 1944 viele Wesentliches nicht gesagt wird, was ein verstörendes Licht auf die Situation wirft.

In Stuttgarter Krankenhäusern wurden während des Krieges Betten für das Militär beschlagnahmt, was die Stadtverwaltung gezwungen hat, Ersatzkrankenhäuser einzurichten. Einrichtungen wie das Brenzhaus oder das Furtbachkrankenhaus wurden speziell für die zunehmenden medizinischen Bedürfnisse eröffnet. Das Brenzhaus, mit seinen 120 Betten, wurde am 4. Dezember 1939 eingeweiht, doch die Realität war, dass viele dieser Einrichtungen im Laufe des Krieges schwer beschädigt oder gar zerstört wurden. Das Furtbachkrankenhaus nahm im Mai 1940 den Betrieb auf und wurde ebenfalls von der städtischen Verwaltung ins Leben gerufen, um den Krankheitsanforderungen gerecht zu werden. Laut der Webseite von Schutzbauten Stuttgart konnten zahlreiche provisorische Krankenhäuser eingerichtet werden, um der Vielzahl an Erkrankten gerecht zu werden und die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten.

Medizin im Krieg

In der Literatur wird zur Militärmedizin der NS-Zeit oft ein heroisches Bild gezeichnet, das die Ärzte als unantastbare Helden darstellt. Dies steht im krassen Gegensatz zu den realen Gegebenheiten, die durch Experimente und eine skrupellose Behandlung von „Menschenmaterial“ geprägt waren. Militärmediziner betrachteten den Krieg als ein Massenexperiment für medizinische Forschung. Zahlreiche Berichte und Dokumentationen, wie die von Hubert Fischer, zeigen ein positives Bild der Militärmediziner, was jedoch stark hinterfragt werden muss.

Der Sammelband „Medizin im Zweiten Weltkrieg. Militärmedizinische Praxis und medizinische Wissenschaft im ‚Totalen Krieg‘“ bietet eine kritische Analyse der Rolle der Medizin im Krieg. Beiträge zu diesem Werk beleuchten nicht nur die prekäre Verpflegungssituation der Wehrmacht, sondern auch die Grausamkeiten, die im Namen der Medizin verübt wurden. Wie Iris Borowy in ihrer Analyse zeigt, war die Gesundheitsorganisation des Völkerbunds während des Zweiten Weltkriegs in einer schwierigen Position gegenüber dem Deutschen Reich. Diese neuen Perspektiven müssen ins Zentrum der Forschung gerückt werden, um ein umfassendes Bild der NS-Medizin zu erhalten, sowohl in militärischen als auch in zivilen Sektoren.

Die Kinder in den Krankenhäusern

Insgesamt zeigt sich, dass die Kinderkrankenhäuser in Stuttgart zwischen 1939 und 1944 einer großen Belastung ausgesetzt waren. Einrichtungen wie das Kinderkrankenhaus in der Birkenwaldstraße und die Mörikestraße versorgten eine Vielzahl von jungen Patienten, darunter auch Infektionskranke. Die Stadtverwaltung kümmerte sich um die Schaffung weiterer Ausweichskrankenhäuser, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Statistiken belegen zudem, dass ein Großteil dieser kranken Kinder in einem System lebte, das oftmals als brutal und unfassbar beschrieben werden kann.

Der Artikel von Jan Sellner sowie die Recherche auf Schutzbauten Stuttgart und weitere Fachliteratur tragen dazu bei, das Bild der medizinischen Versorgung in einem von Krieg geprägten Stuttgart zu vervollständigen. Das Ungesagte und die zu oft ignorierten Geschichten bitten um Beachtung, um die düsteren Kapitel der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Für eine detailliertere Auseinandersetzung mit diesen Themen und ihre Relevanz in der heutigen Zeit sei auf die entsprechenden Publikationen verwiesen: Stuttgarter Nachrichten, Schutzbauten Stuttgart, und Ärzteblatt.