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Stillen in der Öffentlichkeit: Junge Frauen in Stuttgart fordern mehr Toleranz

Stillen in der Öffentlichkeit sollte normal sein, findet Hanna Brüderle und fordert mehr Lockerung bei diesem Thema. Die 32-jährige Stuttgarterin ist Mutter zweier Kinder. Einmal hat sie an einem Brunnen am Marienplatz gestillt.

„Ein Mann hat tatsächlich angehalten und ganz genau hingeschaut – das war super unangenehm!“

Hanna Brüderle

Dennoch ist es eher so, dass Männer generell wegschauen und die negativen Reaktionen stattdessen von anderen Frauen kommen. „Ich denke, dass auch Konkurrenz eine Rolle spielt“, vermutet sie. Und die ältere Generation reagiert dagegen oft mit „So etwas hätten wir nicht gehabt“, ergänzt ihre Freundin Jara Alber, die neben ihr in einem Café sitzt.

Das Stillen in der Öffentlichkeit sei heute gesellschaftlich akzeptierter als etwa in der Generation ihrer Mutter, sagt sie. Damals glaubte man, die Flasche sei besser. „Ich stille nur nach Bedarf, wenn die Kleine Hunger hat“, sagt Jara Alber über ihren 2,5 Monate alten Sohn Noel in ihren Armen.

Stillen: Die Akzeptanz hängt auch vom Alter ab

Grundsätzlich seien ihr überwiegend positive Reaktionen aufgefallen. Das ändere sich aber mit der Zeit: „Je älter die Kinder werden, desto mehr Kommentare kommen wie ‚Was, stillst du noch?‘. Das ist für Außenstehende wahrscheinlich eher seltsam, wenn die Kinder etwas älter werden“, berichtet Jara albern.

Über nackte Brüste in der Öffentlichkeit hat sich bei ihr noch nie jemand beschwert – Stillen ist schließlich auch „super diskret“, wie sie erklärt: „Der Kopf des Babys ist davor, da sieht man nicht so viel.“ Trotzdem scheut sie das Stillen in der Bahn – „das ist der letzte Ort, an dem ich gerne stille“, sagt sie, obwohl es dort ihrer Erfahrung nach nicht mehr negative Rückmeldungen gibt als anderswo.

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Das Geben der Brust in der Öffentlichkeit irritiert manche

Es kommt auch darauf an, ob man von anderen Müttern umgeben ist oder von all denen ohne Kinder. Bei einer Wanderung in der Region Stuttgart beispielsweise erlebte sie erstaunte Reaktionen: „Was, du stillst hier mitten in den Weinbergen?!“ Auf zusätzliche Handtücher wie Stillschals verzichtet Jara Alber übrigens. „Mir war das immer zu viel Arbeit – dann lieber einfach stillen und gut sein!“

„Beim ersten Mal ist es unangenehm“, sagt ihre Freundin Hanna Brüderle über das Stillen in der Öffentlichkeit. „Weil du dich sonst nicht in der Öffentlichkeit hinsetzen und deine Brust entblößen würdest.“ Die ersten Male fand sie das Stillen schwierig.

Auch bei einem Spieleabend mit ihrem Mann und seinen Kumpels zum Beispiel war sie sehr unwohl, schließlich würde sie sich niemals nackt vor den Freunden ihres Mannes zeigen. Mit der Zeit fühlte sich das Stillen vor anderen Menschen immer natürlicher an.

Fläschchen geben statt in der Öffentlichkeit zu stillen?

Dennoch finden die beiden, dass die Gesellschaft diesbezüglich aufgeschlossener sein könnte. „Ich glaube, wir befinden uns in einer Blase, in der es normal ist“, sagen sie über sich und gleichgesinnte Frauen. „Aber ich kenne viele, die sich unwohl fühlen und es deshalb nicht machen – und die dann eher zu Hause bleiben oder im Zweifelsfall die Flasche nehmen, weil sie sagen, es fühlt sich nicht gut an.“

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