Deutschland

Staatsanwälte streben Verurteilung von Ex-Nazi-Lagersekretär, 97, an

BERLIN (dpa) – Die deutsche Staatsanwaltschaft hat am Dienstag gefordert, eine 97-jährige Frau, die Sekretärin des SS-Kommandanten des Konzentrationslagers Stutthof war, wegen Beihilfe zum Mord zu zwei Jahren Bewährungsstrafe zu verurteilen.

Irmgard Furchner steht seit über einem Jahr vor dem Landgericht Itzehoe in Norddeutschland vor Gericht. Staatsanwalt Maxi Wantzen sagte in den Schlussplädoyers, „dieses Verfahren sei von herausragender historischer Bedeutung“, berichtete die deutsche Nachrichtenagentur dpa.

Staatsanwälte werfen Furchner vor, Teil des Apparats zu sein, der das Funktionieren des Lagers Stutthof der Nazis während des Zweiten Weltkriegs unterstützte.

Sie soll „in ihrer Funktion als Stenographin und Schreibkraft in der Lagerkommandantur zwischen Juni 1943 und April 1945 die Lagerleitung bei der systematischen Tötung der dort Inhaftierten unterstützt und begünstigt haben“.

Wantzen sagte am Dienstag, die Angeklagte hätte von ihrem Büro aus große Teile des Lagers sehen können, einschließlich eines Bereichs, in dem neue Gefangene ankamen. Sie muss auch in der Lage gewesen sein, Rauch von der Verbrennung von Leichen im Krematorium zu sehen und zu riechen, fügte der Staatsanwalt hinzu.

Auch wenn die Angeklagte das eingezäunte Lager nicht selbst betreten habe, „war das aus meiner Sicht nicht erforderlich, um Kenntnis von den Massenmorden zu haben“, so Wantzen.

Furchner hat sich während des Prozesses nicht zu den Vorwürfen gegen sie geäußert. In der deutschen Justiz gibt es keine formellen Klagegründe.

Zehntausende Menschen starben am Ende des Krieges in Stutthof und seinen Außenlagern oder auf sogenannten Todesmärschen.

Furchner wird vor dem Jugendgericht angeklagt, weil sie zur Tatzeit unter 21 Jahre alt war. Die Schlussplädoyers sollen am 29. November fortgesetzt werden.

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Quelle: APNews

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