Stuttgart Aktuell

Schon vor dem Start kritisiert: der Faktencheck auf der Gäubahn in Stuttgart

Die Planung des Faktenchecks, der am Freitag in Stuttgart beginnt, stößt bei Nachbargemeinden entlang der Gäubahn und Verbänden auf Kritik. Sie kritisieren vor allem den Mangel an neutralen Experten. Der Faktencheck zum Erhalt der Gäubahn soll klären, wie die Bahnstrecke aus Richtung Singen, Horb und Böblingen künftig zum Stuttgarter Hauptbahnhof führen wird.

Die Interessengemeinschaft Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn (GNBB) lud zum Faktencheck ein. Der Faktencheck war bereits im Juli bei einer Krisensitzung im Stuttgarter Rathaus beschlossen worden. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) sagte damals: „Ziel sollte es sein, den Frieden auf der Gäubahn zu wahren.“ Und weiter: „Wir alle sind Gäubahn, wir alle wollen einen Weg finden, eine Balance finden. Ich bin zuversichtlich, dass uns die Balance gut gelingen wird.“

Ein Faktencheck schien damals eine gute Gelegenheit für alle Beteiligten, ihre Hoffnungen, Wünsche und Ziele für den Betrieb der Gäubahn einzubringen. Der Landesnaturschutzverband (LNV), Pro Bahn und der Ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) sagten: „Ein Faktencheck soll dazu dienen, Transparenz zu schaffen und durch eine objektive, neutrale Bewertung Vertrauen zu schaffen.“

Faktencheck zur Gäubahn: Objektivität wird angezweifelt

Von dieser Begeisterung ist nicht mehr viel übrig. Matthias Lieb, Landesvorsitzender des VCD, spricht im Hinblick auf die geplante Veranstaltung auf SWR-Anfrage von einer reinen Informationsveranstaltung für geplante Lösungen der Deutschen Bahn und der Stadt Stuttgart.

„Die Veranstaltung ist kein Faktencheck.“

Matthias Lieb, VCD-Landesvorsitzender

Der VCD präsentierte deshalb am Dienstag gemeinsam mit dem Fahrgastverband Pro Bahn und dem Landesnaturschutzbund BW einen eigenen Faktencheck zur Gäubahn.

Stuttgart

Zugstrecke Stuttgart – Singen
Protest gegen die Abkopplung der Gäubahn von der S21

Eine Initiative setzt sich dafür ein, dass auch nach Fertigstellung von Stuttgart 21 Züge auf der Gäubahn bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof verkehren. Diese Woche gibt es Aktionen.
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Böblinger Bürgermeister Belz „gespannt, ob was Neues rauskommt“

Auch der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) kritisiert das Fehlen neutraler Gutachten beim Faktencheck, der am Freitag in Stuttgart stattfinden wird. Grundsätzlich sei er aber beim SWR gespannt, ob etwas Neues herauskommt. „Allerdings sind wir Anwohner der Gäubahn verwundert, dass die drei bereits vorliegenden Rechtsgutachten – darunter eines von uns in Auftrag gegeben – gar nicht auf der Tagesordnung stehen.“

Oberbürgermeister Häusler aus Singen: „Keine großen Erwartungen an Faktencheck“

Auch der Bürgermeister der Gäubahn-Nachbargemeinde Singen, Bernd Häusler (CDU), sieht den Faktencheck in Stuttgart skeptisch. „Ich habe keine allzu großen Erwartungen“, sagte Häußler im Vorfeld auf SWR-Anfrage. Seine Befürchtung ist, dass die Bahn und die Stadt Stuttgart nur altbekannte Argumente vorbringen, warum die Gäubahn seit vielen Jahren vom Stuttgarter Hauptbahnhof abgekoppelt werden muss. Er stellt laut Häusler das „Thema Objektivität“ in Frage.

Keine Reaktion der Deutschen Bahn und der Stadt Stuttgart

Die Stadt Stuttgart und die Deutsche Bahn wollten die Kritik am Faktencheck zur Gäubahn im Vorfeld der SWR-Anfrage nicht kommentieren.

Über die Zukunft der Gäubahn wird seit langem heftig diskutiert

Bei der Trasse der Gäubahn prallen viele sehr gegensätzliche Interessen aufeinander. Alle Beteiligten einigen sich nur auf eine langfristige Lösung. Der sogenannte Pfaffensteigtunnel ist bereits beschlossen. Der knapp eine Milliarde Euro teure Tunnel soll die Gäubahn schnellstmöglich an das neu gebaute Gleisnetz Stuttgart 21 anbinden. Allerdings soll dieser Tunnel erst 2032 fertiggestellt werden. Es wird heftig darüber diskutiert, wie eine Übergangslösung bis 2032 aussehen könnte.

Wie könnte eine Übergangslösung bis 2032 aussehen?

Nach bisherigen Plänen der Deutschen Bahn soll die Gäubahn zwischenzeitlich in Stuttgart-Vaihingen enden. Reisende müssten dann in die S-Bahn umsteigen, um zum Stuttgarter Hauptbahnhof zu gelangen. Die S21-Projektpartner Stadt Stuttgart, Region Stuttgart und Landesverkehrsministerium wollen die bestehende Panoramastrecke weiter nutzen, um die Gäubahn an einer neu gebauten Nordhaltestelle enden zu lassen. Auch von dort müssten Reisende auf dem Weg zum neuen Hauptbahnhof umsteigen. Die Anliegergemeinden und Verkehrsverbünde wollen dagegen nicht auf die direkte Anbindung an den Hauptbahnhof verzichten und befürchten, dass die Gäubahn abgehängt wird. Sie wollen, dass die aktuelle Route fortgesetzt wird.

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