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Gedenkfeiern zum Trauertag in BW – blicken auch in die Ukraine

Mehr als 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert der Tag der Staatstrauer in Baden-Württemberg an die Millionen Toten der Weltkriege und die Opfer des Nationalsozialismus. Bei der zentralen Gedenkfeier im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart hat der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, am Sonntagnachmittag an die Schrecken des Krieges erinnert. Das „Kreuzmeer auf den Soldatenfriedhöfen“ verdeutlicht drastisch die tödlichen Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft. Er forderte, die Kreuze als „Wegweiser zu einer friedlicheren Welt“ zu sehen.

Präsident des Verfassungsgerichts: Angriff auf die Ukraine ist Angriff auf die freie Welt

Harbarth ging auch auf den russischen Angriffskrieg ein und betonte, dass es „auf den Schlachtfeldern in der Ukraine auch um uns geht“. Der Krieg ist ein Angriff auf die ganze freie Welt. Die Menschen könnten sich bei aller Hilflosigkeit „auf die Gewissheit verlassen, dass unsere Werte und Prinzipien das russische Regime überdauern werden“. Der Einsatz für Freiheit und Demokratie, für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, hat eine Strahlkraft, die auf Dauer jeder Tyrannei überlegen ist.

Mit Blick auf den Nationalsozialismus sagte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, die größte Gefahr bestehe im Vergessen: „Daran, dass wir uns nicht mehr daran erinnern, was wir einander antun, wenn wir Antisemitismus und Rassismus, wenn wir blind hassen andere und andere Dinge in unserer Toleranz der Mitte.“ Daher ist es wichtig, den Nationalen Trauertag auch in Zukunft weiter zu begehen.

Auch in zahlreichen weiteren Gemeinden, darunter Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd, Weingarten, Reutlingen, Tübingen und Aalen, wurden am Vormittag auf Friedhöfen und Gedenkstätten Kränze niedergelegt. Das Ehrenbuch für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ist den ganzen Tag über im Ehrensaal des Ulmer Münsters ausgestellt. In Radolfzell am Bodensee hat der Arbeitskreis Erinnerungskultur einen sogenannten Bahnhofsweg mit Schulklassen gestaltet, der auch den Krieg in der Ukraine thematisiert.

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Konstanz

Reservistenverein Konstanz sammelt Spenden
Bundestrauertag: Gedenken auch in der Region Bodensee-Oberschwaben

Auch in der Region Bodensee-Oberschwaben gab es am Tag der Staatstrauer zahlreiche Gedenkfeiern. Außerdem sammelte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Spenden.
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Am Sonntagnachmittag findet in der Stadtkirche in Brackenheim (Kreis Heilbronn) ein außergewöhnliches Konzert statt. Zu Orchestermusik von Mozart und Bildern aus einem Dokumentarfilm wollen Menschen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher Nationen gemeinsam der Toten gedenken.

Brackenheim

Gemeinsam trauern und neue Kraft schöpfen
Bundestrauertag: Musik verbindet Trauernde in Brackenheim

Auch in der Region Heilbronn-Franken gibt es am Trauertag einige Gottesdienste und Kranzniederlegungen. In Brackenheim soll ein besonderes Konzert Kraft geben.
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Pflege der Kriegsgräber immer schwieriger

Anlässlich des Bundestrauertages erinnerte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an seine zunehmend schwierige Arbeit. Gerade in den Staaten des ehemaligen Ostblocks, wo rund drei Millionen deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg starben, sind viele der über 100.000 Gräber schwer auffindbar, zerstört, überbaut oder geplündert. Hunderte Friedhöfe aus dem Zweiten Weltkrieg und aus dem Ersten Weltkrieg hat der Volksbund in Ost-, Mittel- und Südosteuropa instandgesetzt oder neu angelegt.

„Die riesigen Friedhöfe erinnern die Lebenden an die Vergangenheit und konfrontieren sie mit den Folgen von Krieg und Gewalt.“

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Bitte helfen Sie mit, die Gräber zu erhalten

Um die Arbeit fortzusetzen, braucht der Verein dringend Unterstützung aus der Bevölkerung, sonst wären hunderttausende Gräber für immer verloren.

Der Volkstrauertag wird jedes Jahr im November bundesweit vom Volksbund organisiert. Er gilt als Gedenktag und Mahnung des Friedens. Der Volksbund wurde vor über hundert Jahren gegründet und betreut nach eigenen Angaben im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von rund 2,8 Millionen deutschen Kriegstoten auf mehr als 830 Soldatenfriedhöfen in 46 Ländern.

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