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FIFA Frauen WM: Keine Garantie für Weiterleitung der Prämien

Die FIFA wird bei der Frauen-WM 2023 Rekordprämien zahlen – so viel steht fest. Der Fußball-Weltverband übernimmt aber laut Präsident Gianni Infantino keine Garantie dafür, dass das Geld am Ende auch bei den Spielerinnen ankommt. In mehreren Verbänden gibt es Debatten um die Prämien – und aus Australien auch Kritik an der FIFA.

Die FIFA schüttet bei der WM in Australien und Neuseeland 110 Millionen US-Dollar an Prämien aus – das ist dreimal mehr als vor vier Jahren in Frankreich. Jeder Spielerin sollen mindestens 30.000 US-Dollar garantiert sein. Alle Zahlungen würden aber über die 32 nationalen Verbände abgewickelt, sagte Infantino am Mittwoch (19.07.2023) bei einer Pressekonferenz in Auckland.

Man habe im Vorfeld des Turniers mit den Verbänden und Spielerinnen beraten. Die direkte Weiterleitung der Prämien sei die klare Empfehlung, es bestünde jedoch kein Automatismus dafür. Die Spielergewerkschaft FIFPro hatte jüngst Garantien gefordert, dass 30 Prozent der Prämien bei den Teilnehmerinnen landen. Für die 23 Weltmeisterinnen gibt es laut FIFA am Ende jeweils 270.000 Dollar Prämie.

Der Fußball-Weltverband hatte bei der Männer-WM 2022 in Katar insgesamt 440 Millionen Dollar ausgeschüttet. Laut Infantino sollen die Prämien zur WM der Frauen 2027 angeglichen werden.

In einigen Nationen sorgt das Prämien-Thema schon länger für große Diskussionen zwischen den Teams und ihren Verbänden. In Australien etwa bekommen Männer- und Frauen-Nationalteams laut Tarifvertrag den gleichen Mindestprozentsatz an Preisgeldern aus Turnieren. Auch in England, Spanien oder den Niederlanden erhalten Nationalspielerinnen und -spieler die gleichen Prämien. Der Deutsche Fußball-Bund geht – zumindest noch – einen anderen Weg.

Auf die zu Wochenbeginn geäußerte Kritik der australischen Nationalspielerinnen wegen der weiterhin bestehenden Differenz zwischen Frauen- und Männer-Prämien bei Weltmeisterschaften ging Infantino am Mittwoch nicht ein. Es sei Zeit, sich „auf das Positive zu konzentrieren“. Bis zum Ende der WM werde man von ihm nur positive Dinge hören. „Wenn jemand immer noch nicht glücklich ist, dann tut es mir leid.“

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Die englischen Fußball-Europameisterinnen lassen den laufenden Prämienstreit mit ihrem Verband während der WM ruhen, wollen die Diskussionen nach dem Turnier aber fortsetzen. Sie wünschen sich leistungsbezogene Prämien. Südafrikas Nationalspielerinnen hatten ihren Streit mit dem nationalen Fußballverband um die WM-Prämien, der sogar den Boykott eines Länderspiels beinhaltete, Anfang Juli beigelegt.

Die WM soll der FIFA laut Boss Infantino 500 Millionen US-Dollar einbringen. Sie werde damit kostendeckend sein. Die australische Spielergewerkschaft PFA hatte in der Prämiendebatte jüngst daran erinnert, dass der Weltverband über finanzielle Reserven in Höhe von vier Milliarden Dollar verfüge.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die FIFA-Gelder der WM 2023 direkt an die Spielerinnen weiterleiten, aber unabhängig vom Turnierverlauf nicht aus eigener Kasse noch weiter aufstocken. Auch hier besteht eine Differenz im Umgang zwischen Männern und Frauen: Für einen WM-Triumph im vergangenen Jahr hätte jeder Spieler aus dem Team von Bundestrainer Hansi Flick vom DFB eine Prämie von 400.000 Euro bekommen.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg schloss sich aufkommender Kritik am DFB in diesem Zusammenhang ausdrücklich nicht an und äußerte Unverständnis. Die Debatte um die unterschiedlich hohen Prämien für Frauen und Männer bei Welt- oder Europameisterschaften oder in den Nationalmannschaften ist nicht neu. Im vergangenen Jahr hatte sich in Deutschland sogar Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eingemischt: In Sachen „Equal Pay“ gab es nach der Europameisterschaft in England Gespräche mit der DFB-Spitze. Der Austausch gehe weiter, der Kanzler setze sich weiter für eine Angleichung der Gelder für Frauen und Männer ein, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit im Vorfeld der WM.

Es gibt in Deutschland und anderen Ländern auch Diskussionen über die Gehälter im nationalen Frauen- und Männerfußball. Während einige Befürworterinnen eine Angleichung fordern, weisen andere darauf hin, dass die finanziellen Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball auf verschiedenen Faktoren beruhen. So sind im Männerfußball die Einnahmen durch Fernsehrechte, Sponsoring und Stadionbesucher deutlich höher.

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Nationalspielerin Lena Oberdorf antwortete auf die Frage, ob es ihr Wunsch sei, dass Frauen irgendwann einmal genauso viel bekommen wie Männer: „Nein, das muss ich ehrlich sagen. Die Gehälter der Männer liegen vollkommen außerhalb unserer Reichweite.“ Es sei sinnlos, nach einem Geldbetrag zu streben, der nicht vorhanden sei. Sie wolle nach ihrer Leistung bezahlt werden.

Sophie Müller

Sophie Müller ist eine gebürtige Stuttgarterin und erfahrene Journalistin mit Schwerpunkt Wirtschaft. Sie absolvierte ihr Studium der Journalistik und Betriebswirtschaft an der Universität Stuttgart und hat seitdem für mehrere renommierte Medienhäuser gearbeitet. Sophie ist Mitglied in der Deutschen Fachjournalisten-Assoziation und wurde für ihre eingehende Recherche und klare Sprache mehrmals ausgezeichnet. Ihre Artikel decken ein breites Spektrum an Themen ab, von der lokalen Wirtschaftsentwicklung bis hin zu globalen Finanztrends. Wenn sie nicht gerade schreibt oder recherchiert, genießt Sophie die vielfältigen kulturellen Angebote Stuttgarts und ist eine begeisterte Wanderin im Schwäbischen Wald.

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