Die geplante Änderung des Bayerischen Jagdgesetzes sorgt aktuell für große Diskussionen im Landkreis Freyung-Grafenau. Zentrale Streitpunkte sind hierbei die Anforderungen an Verbissgutachten sowie die Abschussplanungen, die in der Fachwelt und unter den Betroffenen heftig diskutiert werden.
Der Jagdverband hat eine Debatte über den Grundsatz „Wald vor Wild“ initiiert, die sowohl Jäger als auch Waldbesitzer einbezieht. Die Meinungen von beiden Seiten werden erfragt, um ein möglichst umfassendes Bild der Situation zu erhalten und um die Anliegen beider Parteien zu berücksichtigen.
Verbissgutachten und ihre Bedeutung
Das Verbissgutachten spielt eine entscheidende Rolle bei der Einschätzung, ob die waldbaulichen Ziele, insbesondere die Schaffung und Erhaltung artenreicher und sich natürlich verjüngender Wälder, durch Schalenwild gefährdet sind. Diese Gutachten sind notwendig zur Aufstellung von Abschussplänen gemäß §22 Abs. 4 LJG und dem Runderlass „HeGe“.
Um die Handlungsempfehlungen für Waldbesitzer zu formulieren, wird eine Gefährdungseinstufung vorgenommen. Das Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wald und Wild herzustellen. Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen führt diese Bewertungen auf Jagdbezirksebene durch und hat dafür alle Forstbetriebsbezirke mit mobilen, GPS-gestützten Outdoor-Computern ausgestattet, die als Toughpads bezeichnet werden.
Datensicherheit und Erhebung von Informationen
Diese Geräte ermöglichen den Abruf aller benötigten Daten und Karten direkt vor Ort. Nach der Datenerfassung werden die Informationen in einer zentralen Datenbank gesichert, was ein hohes Maß an Datensicherheit gewährleistet. Zu den aufgenommenen Daten gehören:
- Allgemeine Angaben zum Jagdbezirk (Geometrie und Sachdaten)
- Revierverhältnisse, einschließlich Flächen- und Baumartenverteilung sowie waldbaulichen Betriebszielen
- Jagdliche Verhältnisse
- Schäden an Kulturen und Baumbestand, wie beispielsweise frischer Winterverbiss
Das Regionalforstamt gibt zudem eine gutachterliche Einschätzung ab, die auf Aufnahmen in Weisergattern und Vollschutzflächen sowie anderen Schadensereignissen basiert. Prognosen werden erstellt, um zu ermitteln, wie sich die Baumarten auf verbiss- und schälgefährdeten Flächen ohne Schutzmaßnahmen entwickeln werden.
Die Diskussion um die Änderungen des Jagdgesetzes und die damit verbundenen Regelungen bleibt angesichts der komplexen Wechselwirkungen zwischen Wald- und Wildnutzung ein zentrales Thema für die Region und erfordert die Mitarbeit aller Beteiligten.