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Beschäftigte im öffentlichen Dienst vor Gewalt schützen

Mit einer gemeinsamen Erklärung zum besseren Schutz von Beschäftigten im öffentlichen Dienst vor Gewalt setzen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter ein starkes Zeichen: Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst behandelt wird.

Das Ministerium des Innern, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württembergs, der Städtetag Baden-Württembergdas Kommunaltag Baden-Württembergdas Bezirkstag von Baden-Württembergdas Deutscher Gewerkschaftsbund und die BBW – Tarifverband des Beamtenbundes in einer Erklärung zum besseren Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Dienst vor Gewalt. Die gemeinsame Erklärung setzt ein starkes Zeichen – passend zum Internationalen Tag des öffentlichen Dienstes am 23. Juni.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes arbeiten jeden Tag mit großem persönlichem Engagement für unser aller Wohl. Sie verdienen unseren größten Respekt, Dank und Anerkennung. Wir dürfen und werden nicht zulassen, dass sie beleidigt, bedroht und angegriffen werden, während sie für uns arbeiten. Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter hat für uns einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb handeln wir gemeinsam und entschlossen“, sagte der Innenminister Thomas Strobel anlässlich der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung.

Gemeinsam wollen das Innenministerium, der Städtetag, der Gemeindebund, der Kreistag, der Deutsche Gewerkschaftsbund und der BBW – Bundesverband der Beamten:

  • Eine für alle Beteiligten einheitliche Definition von Gewalt gegen Beschäftigte zu entwickeln, die für alle Bereiche des öffentlichen Dienstes in Baden-Württemberg gelten soll.
  • Erstellen Sie ein aussagekräftiges Lagebild, um Angriffe sichtbar zu machen und Entwicklungen und Trends zuverlässig bestimmen zu können.
  • Sensibilisierung für das Problem in der Gesellschaft als Ganzes.
  • Bestehende wirksame Maßnahmen in den Bereichen Prävention, Intervention und Nachsorge zusammenführen und durch neue Maßnahmen ergänzen.
  • Darauf aufbauend eine Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst in Form eines Landeskonzepts entwickeln.

Klares Bekenntnis zum Schutz der Mitarbeiter

„Die jetzt unterzeichnete Erklärung enthält unser klares Bekenntnis zum Schutz der Mitarbeiter. Damit hören wir natürlich nicht auf: Wir haben uns auch auf ein Maßnahmenpaket geeinigt. Gemeinsam werden die Landesverwaltung, die kommunalen Landesverbände und die Gewerkschaften ihre Bemühungen zur Gewaltbekämpfung intensivieren“, so Innenminister Thomas Strobl weiter. Dazu wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst eingerichtet. Der Arbeitskreis soll unter anderem ein Landeskonzept entwickeln und die Kompetenzen von Land, Kommunen und Gewerkschaften bündeln.

Steffen Jäger, Präsident und Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Gemeinderats, begrüßte die gemeinsame Erklärung und lobte die Initiative des Landes: „Die Gewalt gegen Beschäftigte in unseren Rathäusern, in Kindergärten und Schulen, im Justizvollzug und bei der Feuerwehr nimmt flächendeckend zu Das Land. Als Community Day beschäftigen wir uns mit den Entwicklungen und Folgen, aber auch mit möglichen Lösungsansätzen. Bessere Vernetzung bestehender Aktivitäten, Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft, aber auch robuste Maßnahmen wie die Verschärfung der strafrechtlichen Rahmenbedingungen sind Ansatzpunkte, die darin enthalten sind in unserem Positionspapier ‚Null Toleranz für Hass und Hetze gegen Gemeindebeamte und Beamte‘ (PDF) gefunden haben. Wir danken dem Land für diese Initiative und verpflichten uns, den Prozess tatkräftig zu unterstützen. Zum Wohle unserer Mitarbeiter und damit auch zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger.“

Übergriffe jeglicher Art dürfen nicht „normal“ werden.

Der Präsident des Städtetages Baden-Württemberg, Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, sagte: „Städte und Gemeinden erfüllen zahlreiche Aufgaben für ihre Bevölkerung. Es kann zu Konflikten kommen – aber niemand muss Missbrauch und gewalttätiges Verhalten im Dienste des Gemeinwohls hinnehmen. Übergriffe jeglicher Art dürfen nicht „normal“ werden. Die Kommunen sehen daher den Schutz und die Unterstützung der Beschäftigten als wichtige Aufgabe an. Der City Day begrüßt, dass die heutige Erklärung ein gemeinsames Zeichen gegen Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist. Gewaltbekämpfung und -prävention sind solidarische Aufgaben. Wir unterstützen daher die geplante Vernetzung und Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure zur Entwicklung eines Landeskonzepts.“

Der Präsident des baden-württembergischen Landtages, Landrat Joachim Walter, betonte: „Gerade in diesen Krisenzeiten zeigt sich wieder einmal, wie groß der persönliche Einsatz der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung für das Gemeinwesen und oft über die eigenen Grenzen hinaus ist. Weder die Aufnahme von Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 noch die Bekämpfung der Pandemie in den vergangenen zwei Jahren noch die Unterbringung und Versorgung der Menschen aus der Ukraine in den letzten Wochen wären ohne den unermüdlichen Einsatz von Behördenvertretern möglich gewesen.

Umso unerträglicher ist es, dass unsere Mitarbeiter, beispielsweise in den Sozial- und Jugendämtern, den Ausländerbehörden und Jobcentern, zunehmend Opfer von Beleidigungen, Drohungen und sogar körperlichen Übergriffen werden. Die im Internet anonym geäußerten Anfeindungen überschreiten zunehmend die Grenzen dessen, was in einer freiheitlichen Demokratie akzeptabel ist. Es ist wichtig, diesen Verrohungstendenzen als Gesellschaft konsequent entgegenzutreten und als Rechtsstaat mit der nötigen Härte zu reagieren. Als Landkreis sind wir zu einer besonderen Fürsorge für unsere Mitarbeiter verpflichtet. Auch deshalb begrüßen wir die Initiative des Innenministeriums und der lokalen Ministerien zum Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ausdrücklich und werden sie aktiv unterstützen.“

Gemeinsam praxisorientierte Lösungen für besseren Schutz entwickeln

„Die stellvertretende Vorsitzende Maren Diebel-Ebers erklärte für den DGB Baden-Württemberg: „Die steigende Zahl von Übergriffen in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes ist erschreckend. Beschäftigte erwarten zu Recht wirksame Schutzmaßnahmen von ihrem Arbeitgeber. Wir gehen davon aus, dass die nun zügig zu erarbeitende Gesamtstrategie den Anforderungen der Mitarbeiter gerecht wird. Es wird insbesondere auch auf die Führungskräfte ankommen, die für die Problematik sensibilisiert werden müssen, damit sie ihre Mitarbeiter in der Praxis stärker unterstützen können. Alle Beteiligten müssen gemeinsam praxisorientierte Lösungen für einen besseren Schutz entwickeln.“

Joachim Lautensack, stellvertretender Vorsitzender der BBW – Gewerkschaft der Beamten, sagte: „Wir müssen mit einem umfassenden Lagebild endlich eine verlässliche Datenbasis für den notwendigen und wirksamen Schutz unserer Beschäftigten schaffen. Die darauf basierenden Maßnahmen müssen geeignet sein, den unerträglichen Negativtrend der letzten Jahre schnell zu durchbrechen und umzukehren.“

Die polizeiliche Kriminalstatistik weist in den vergangenen fünf Jahren einen stetigen Anstieg der Zahl der durch Gewalttaten verletzten Polizisten aus. Im vergangenen Jahr, 2021, wurde mit 11.919 als Opfer registrierten Polizisten ein neuer Rekord aufgestellt. Gleiches gilt für die Zahl der Gewaltopfer unter den sonstigen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, die im Jahr 2021 auf 1.041 gestiegen ist. Dazu können beispielsweise Lehrer, Mitarbeiter von Jobcentern, Bürgerämtern oder Führerscheinstellen sowie kommunale Mandatsträger gehören . Außerdem wurden 263 Angehörige der Feuerwehr und des Rettungsdienstes verletzt.

Gemeinsame Erklärung zum besseren Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Dienst vor Gewalt (PDF)

Inspiriert von Landesregierung BW

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