Archäologische Erhaltung

Abteilung 8
22.12.2020
Archäologische Erhaltung
Die Siechen im Felde – Freiburges mittelalterlicher Leprafriedhof
 Die Gräber der älteren Blutungsphase wurden in Reihen angeordnet (Foto: Staatsamt für Denkmalpflege im RPS, AAB Archaeology, Jana Noll)

Bei der Renovierung des Grundstücks in der Kronenstraße 21 in Freiburg wurden bei Erdarbeiten 385 menschliche Bestattungen freigelegt, um eine Tiefgarage zu schaffen. Da sich das Bauprojekt im Bereich des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Leprosariums Freiburg befindet, wurden von Juni bis September 2020 unter Aufsicht des Landesamtes für Denkmalpflege (LAD) im Stuttgarter Regionalrat archäologische Untersuchungen durchgeführt.

Das Lepra- oder Herrenhaus in Freiburg wurde erstmals 1251 erwähnt und erhielt 1258 einen Kaplan und einen Friedhof. Am 30. Mai 1268 weihte Albertus Magnus den Hochaltar einer neu erbauten Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria und des hl. Jakobus Schutzpatron des Hauses. Während des Dreißigjährigen Krieges brannte das Freiburger Gutleuthaus am 29. Dezember 1632 nieder.

Von Juni bis September wurden die menschlichen Bestattungen auf anthropologische Weise geborgen und dokumentiert. Die Gräber können in zwei Bereiche unterteilt werden: Die älteren Ost-West-Gräber der Krankenstation stammen aus den Jahren 1256 bis 1632 und sind in Reihen angeordnet. Neben den Gräbern der Bewohner des Leprahauses wurden auf dem verlassenen Friedhof zahlreiche Soldaten beigesetzt, die 1744 während der Belagerung von Freiburg durch französische Truppen während des Österreichischen Erbfolgekrieges starben. Diese Gräber sind meist unregulierte Mehrfachbestattungen. Bronzeköpfe aus Uniformen identifizieren die Toten als Soldaten.

Die erste anthropologische Untersuchung ergab überraschenderweise, dass es sich bei den Bestatteten fast ausschließlich um Männer handelte. Neunzig Prozent der Skelette zeigten Anzeichen von Infektionskrankheiten an Knochen und Kiefern. Neben Anzeichen von Lepra in 60 Prozent der Skelette zeigten andere Skelette unter anderem Anzeichen von Syphilis, Tuberkulose, Meningitis, Rachitis und Unterernährung.

Das Herrenhaus befindet sich südlich der Stadt Freiburg auf der anderen Seite des Dreisam. Historische Bilder zeigen die Wohngebäude des Siechen, das Schaffneigegebäude, die Kapelle und den Friedhof am Zusammenfluss der Kronenstraße mit der Basler Straße, der Landstraße im Süden. Es gibt keinen Plan für das Gutleuthaus, daher war die Lage der Gebäude. Der Parkplatz neben dem Friedhof und die Parkfläche wurden am 16. und 17. Dezember 2020 geophysikalisch untersucht. Teile der Gebäude zeigten sich als Anomalien in einer Tiefe von 50 cm bis 1,6 m.

Der mittelalterliche Leprafriedhof in Freiburg ist eines der am besten untersuchten Gräber dieser Art in Deutschland. Etwa 10 Prozent seiner Fläche wurden erfasst. Daraus lässt sich ableiten, dass während der 376-jährigen Nutzungsdauer rund 2000 Menschen dort begraben wurden. Da in dem aufgezeichneten Auszug fast ausschließlich Männer beigesetzt wurden, spiegelt der Friedhofsplan offensichtlich die Trennung der Geschlechter in der Krankenstation wider. Es ist davon auszugehen, dass eine weitere Analyse des Standortes einige Einblicke in die Gesundheits- und Sozialgeschichte Freiburgs im Spätmittelalter liefern wird.

Die Bestattungen der jüngeren Belegungsphase am 16./17. Jahrhundert wurden oft Rosenkränze im Grab gegeben (Foto: Staatsamt für Denkmalpflege im RPS, AAB Archaeology, Jana Noll)

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