Archäologische Erhaltung

Abteilung 8
11/06/2020
Erhaltung archäologischer Denkmäler
Die Ausgrabungen im Mannheimer Stadtteil Neckarau wurden erfolgreich abgeschlossen
 Ausgegrabener Brunnen, wahrscheinlich aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts (Bild: fodilus GmbH, Heiko Steinwand)

Die archäologischen Ausgrabungen an der Luisenstraße 8 / Rathausstraße 14 im Mannheimer Stadtteil Neckarau, die vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Stuttgarter Regionalrat überwacht wurden, sind seit Mitte August abgeschlossen. Durch die Ausgrabung der Firma fodilus GmbH konnten wichtige Informationen für die Siedlungsgeschichte von Neckarau gesichert werden. Die gefundenen Siedlungsspuren reichen bis ins Hochmittelalter (11./12. Jahrhundert) zurück. Die Untersuchungen waren im Zuge des geplanten Baus eines Wohnkomplexes für die diakonischen Arbeiten notwendig geworden.

Die kürzlich abgerissene Entwicklung, die bereits in den Katasterplänen des 19. Jahrhunderts zu sehen ist, ist die jüngste Siedlungsphase. Dazu gehören neben der Ausgrabungsgrube des Kellers in der Luisenstraße eine moderne Klärgrube und zwei Brunnen. Der Brunnen, der sich einst im hinteren Teil des Gebäudes in der Luisenstraße 8 befand, war nach etwa einem Jahrhundert Nutzung im frühen 20. Jahrhundert mit zahlreichen nutzlosen Haushaltsgegenständen (Glasflaschen, Schrott, Scherben von Schiffen und Geschirr) gefüllt.

Auf dem Gelände konnten auch Spuren von drei weiteren Kellern entdeckt werden, von denen einige aus dem späten Mittelalter (15./frühes 16. Jahrhundert) oder der frühen Neuzeit stammen könnten. Einer dieser Keller befand sich im späteren Hofeingang des Grundstücks in der Luisenstraße 8. Er wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgefüllt. In dieser Verfüllung wurde später eine Mörtelmischgrube für den Hausbau gebaut.

Zehn Nachgeburtstöpfe wurden auf den Boden eines Kellers in der Rathausstraße gestellt (wahrscheinlich im 18. oder sogar im 17. Jahrhundert): eindrucksvolle Beweise für einen Aberglauben, der bis in die Neuzeit verbreitet war. Durch die Aufbewahrung der Plazenta an zwei Orten – in einem Behälter und an einem sicheren Ort wie dem Keller – glaubte man, dass Mütter und Babys vor dem Einfluss böser Mächte geschützt werden könnten. Ein weiterer Nachgeburtstopf wurde auf ungewöhnliche Weise außerhalb des Kellers gefunden.

Kies und Pflaster markieren den frühneuzeitlichen und modernen Innenhof und die Verkehrsflächen.

Das späte Mittelalter (13. bis frühes 15. Jahrhundert) – möglicherweise aus Tradition – kann in archäologischen Funden noch nicht zuverlässig erfasst werden. Zahlreiche Erdfunde zeugen jedoch von einer intensiven Siedlungsaktivität im Hochmittelalter (11./12. Jahrhundert). Neben einer Vielzahl von Müllgruben wurden auch vier Erdkeller dokumentiert. Hinweise auf die bisher übliche Entwicklung in der damals üblichen Pfosten-Balken-Konstruktion wurden bisher nur indirekt in Form einzelner Pfostenlöcher und Reste von gemauerten Fachwerkwänden in den Verfüllungen der Abfallgruben gefunden. Das beeindruckendste Ergebnis dieser Siedlungsphase ist ein Abschnitt eines Ost-West-Grabens, der am nördlichen Ende des Grundstücks freigelegt ist. Es ist davon auszugehen, dass dieser Graben das gesamte historische Siedlungsgebiet von Neckarau umfasste.


Blick auf das Ausgrabungsgebiet (Bild: fodilus GmbH, Heiko Steinwand)

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